Mittwoch, 23. Juli 2014

Von Schweinen, Ferkeln und anderen Tieren

NachdenKKlich
Von Schweinen, Ferkeln und anderen Tieren
Wenn Ethik auf der Strecke bleibt.

Vor einigen Tagen kam ein verstörender Bericht über die Zustände der Ferkelaufzucht in Deutschland.

Wer ihn nicht gesehen hat und sich imstande sieht, die schlimmen Bilder anzuschauen, der kann ihn hier in der ARD-Mediathek noch einmal ansehen:
Exclusiv im Ersten:  Deutschlands Ferkelfabriken

Ich warne aber vor, die Bilder sind nichts für schwache Nerven... 


So könnte es auch aussehen

Immer, wenn so ein Bericht gezeigt wird, wenn Bilder mit versteckten Kameras auftauchen, dann beginnen die Diskussionen von Neuem.
Zu billig, zu unmoralisch, Fleischesser sind daneben, lasst uns alle Vegetarier oder Veganer werden. In diese Diskussion möchte ich mich gar nicht einreihen, dazu schreiben viele andere viel klügere Sachen, als ich das könnte. Nein. Ich habe ein paar Gedanken, die ein bisschen weg von dem Einheitstenor gehen, die ich gerne teilen möchte...


Ich weiss, ich weiss, ich begebe mich mit meiner Meinung da wieder mal auf dünnes Eis.
Sehr schnell ist man wieder in Grabenkämpfe mit denen verwickelt, die tierische Produkte ablehnen. 

Aber so, wie ich absolutes Verständnis für jene habe, die es angesichts unserer immer zynischer werdenden Tierproduktion ablehnen, Fleisch zu essen, bitte ich auch gerne um Verständnis, dass ich diese Entscheidung für mich anders treffe.


Tatsächlich vergeht auch mir angesichts der gezeigten Bilder der Appetit auf Fleisch, das in solchen Verhältnissen erzeugt wird. Wir können so nicht handeln. Wir können das nicht zulassen.

Die erste Reaktion einiger mit denen ich sprach war, dieses Fleisch nicht kaufen zu wollen. Leider ist es nicht einfach herauszufinden, welches "dieses" Fleisch ist, und welches "anderes" ist. Ein wenig Balsam für die Seele ist momentan allenfalls zu sehen, dass die Webseite des Grosszüchters momentan vom Netz ist, der da in dem Filmbeitrag erwähnt wird. Mal sehen, für wie lange und ich bin gespannt, was das zu bedeuten hat.

Und ehrlich gesagt glaube ich, es wird auch dieses Mal wie immer gehen:
Nach rund 2 Wochen haben sich die Gemüter beruhigt, und jeder kauft ein wie vorher auch.

Und verdammt, ja, die Dame in diesem YouTube-Film hat sowas von recht am Schluss:

"Das ist systematisierte Grausamkeit in gewaltigem Ausmass, und wir kommen nur deshalb damit davon, weil Ihr Verbraucher bereit seid, wegzuschauen"


Und gerade, weil das so ist, sollten wir vielleicht einmal einen ganz anderen Weg einschlagen, als der, der sonst immer scheitert.

Hier mein Lösungsansatz des Problemes, das zweifellos besteht:


Niemand wird durch den Verzicht auf 2 oder 4 Schnitzel an diesem Zustand irgendetwas verändern. Wer das glaubt, ist naiv. Im Zweifel sind das nur 2 oder 4 Schnitzel mehr, die weggeworfen werden.

So lange es in den Supermärkten Fleisch zu Discount-Preisen gibt, so lange wird auch der Verbraucher zu diesen Produkten greifen.

Das im ARD-Beitrag gezeigte Verhalten ist kriminell. Ich sage: Nicht der Verbraucher ist der Verantwortliche für diese Bilder, ich sehe das nüchtern: Die Leitung der Firmen, die so handeln ist zur strafrechtlichen Verantwortung zu ziehen. Die juristischen Mittel dazu sind hinreichend vorhanden, hier wird ganz klar gegen Gesetze verstossen.

Die Lösung sollte daher lauten, diese Betriebe anhand der zur Verfügung stehenden Mittel zu schliessen, aufzulösen. Ich bin der ziemlich festen Überzeugung, dass das kleine Erdbeben, wenn ein paar dieser Betriebe geschlossen werden durchaus einen heilsamen Charakter 
erzeugt für andere, die sich für ihr eigenes Überleben dann sehr schnell von "kriminell" auf "legal" umstellen, wenn sie die gleiche Gefahr laufen.

Sollte sich dadurch das immer wieder als Argument angeführte Preisgefüge ("Wir handeln grausam, wegen des Kostendrucks") ein wenig nach oben verändern bin ich der festen Überzeugung, dass der Verbraucher deshalb nicht weniger zum Fleisch greift als vorher.


Ein weiterer Punkt, den es zu verändern gilt sind die Bestimmungen, wie Tiere überhaupt zu halten sind. Da sieht man im ARD-Beitrag ja sehr schön (10:48), dass dies in der Schweiz ganz offensichtlich zu besseren Ergebnissen führt. Wieso also nicht. Auch hier gilt: Wenn es kein günstigeres Fleisch gibt, dann kaufen die Verbraucher eben, was da ist. In dem Fall das "nächst günstigere".



Was aber tatsächlich so richtig beunruhigen sollte sind zwei Dinge, die zwar in dem ARD-Exclusiv gezeigt werden, aber aufgrund der anderen, grausamen Bilder viel zu wenig Beachtung gefunden haben:

Das erste ist: Das Veterinäramt hat Aufnahmen und Bilder gemacht, (Film: ab 22:07) die ja offensichtlich für ein schnelles Handeln und eine Betriebsschliessung absolut ausgereicht hätten. Passiert ist aber offensichtlich: Nichts. Warum?! Ich fühle mich sehr unwohl bei dem aufkommenden Gedanken, dass die ausführenden Stellen hier in ihrer Arbeit von anderer Seite behindert werden. Sehr. Unwohl.


Und wenn wir dann das Verhalten unseres Bundesministers (ab 25:00) mit ein bisschen Verstand betrachten, dann könnte man auch ein noch unwohleres Gefühl bekommen.


Das ist nicht das erste Mal, seit ich mich mit Ernährung beschäftige - dass ich das Gefühl bekomme, wir seien kein ordentlicher demokratischer Rechtsstaat mehr. Und in dem die gewählten und aus Steuergeldern vernünftig bezahlten Volksvertreter nicht mehr das tun, was ihre Aufgabe wäre. Aber das erste Mal, dass ich das Gefühl sogar schon von einem Bundesminister bekomme. Sind wir tatsächlich schon SO weit?!


Bis später.


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