Sonntag, 17. März 2019

Warum Reuters nicht mehr Reuters ist

Meinung
Warum Reuters nicht mehr Reuters ist
... und was das mit Monsanto zu tun hat


Wisst Ihr, wer oder was Reuters ist?
Wenn es nicht sofort klingelt, überlegt einmal kurz...
Tipp: Nachrichten.



Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass so ziemlich jeder, der irgendwo Nachrichten liest oder anders konsumiert, den Namen Reuters kennt.

Was sind Agenturmeldungen?

Denn Reuters ist eine Nachrichtenagentur.
Nachrichten- und Presseagenturen sind Unternehmen, die Nachrichten über aktuelle Ereignisse sammeln, in vorgefertigte Meldungen umwandeln und als Texte, Videos oder Bilder den Massenmedien anbieten.

Viele dieser Artikel landen dann auf Nachrichtenplattformen wie z.B. Spiegel online oder eben auch direkt ins Fernsehen in Sendungen wie heute oder die Tagesschau.

Vor der Veröffentlichung werden sie entweder redaktionell von einem Journalisten überarbeitet, der die Meldung ganz oder teilweise in neue Worte gekleidet oder ab und zu sogar 1:1 genau so übernommen, wie sie reinkommen.

Wie erkenne ich diese?

Erkennen kann man diese Agenturmeldungen durch die direkte Kennzeichnung am Anfang eines Beitrags, wie (Reuters), und bei einigen Seiten wie Spiegel online hat sich anscheinend eingebürgert, dass man die Agenturmeldungen daran erkennt, dass man nur das Namenskürzel des Redakteurs unterhalb des Artikels findet, gelegentlich ist auch die Agentur mit genannt. 
Im Gegenzug dazu ist es beim Spiegel so, dass ein wirklich selbst recherchierter und selbst geschriebener Artikel dort dann ÜBER dem Artikel den Autor mit vollem Namen beschreibt.

Wieso sehe ich ein Problem mit diesem System?

Jetzt muss man dieses System tatsächlich einmal in die Tiefe durchdenken!

Eigentlich ist das eine ziemliche Machtbündelung. Denn gibt man in diese Medienmaschine oben eine Nachricht rein, so wird sie in extrem schneller Frequenz - und leider oftmals ohne weitere Prüfung - von all den daran hängenden Medienhäusern vervielfältigt.


Entwarnung?

Wie gut, dass Reuters eine deutsche Nachrichtenagentur ist, unabhängig, frei und unbeeinflusst, der Goldstandard des Journalismus, mit hohem ethischen Standard, nicht wahr?!

Jaaa. Tja. Das war mal so. Mir ist das untergegangen, vielleicht auch vielen von Euch. Reuters ist nicht mehr Reuters. Reuters ist (übrigens schon seit 2008!) Thomson Reuters und gehört jetzt einem sehr reichen Mann, nämlich David Thomson. 
Thomson ist sogar so reich, dass er aktuell auf der Forbes-Weltrangliste der reichsten Personen Platz 20 (nochmal: in der Welt!) belegt.

Reuters in der Selbstwahrnehmung


Spätestens seit einer der letzten Sendungen "Die Anstalt" im ZDF, die die Bündelung der deutschen Medien und die Einflussnahme der Leitung auf die Inhalte aufgezeigt hat wissen wir, dass das schon in diesem verhältnismässig kleinen Rahmen problematisch ist.

Aber jetzt stellt Euch das mal im richtig grossen Rahmen vor...


Das Problem an einem Fallbeispiel erklärt.

Nehmen wir mal an, Thomson würde in die Agro-Industrie investieren. 
Rein hypothetisch, natürlich. 

Nehmen wir mal an, er besässe - rein hypothetisch - eine Firma, die über Satelliten dem Landwirt sagen würde, wie sein Feld aussieht, und wo er neben einigen anderen datengestützten Entscheidungen - auf wenige Zentimeter genau steuern kann, wo er seine Pestizide und seinen Kunstdünger ausbringen soll.

Und jetzt nehmen wir mal an, dass einer seiner 45.700 Mitarbeiter in seiner Nachrichten-Agentur etwas Schlechtes gegen die Agro-Industrie schreiben würde.
Was schätzt Ihr: Wie lange genau hätte er wohl noch seinen Job?

Oder anders herum: Stellen wir uns mal vor - in den Nachrichten würde sich die Meldung durchsetzen, dass etwas mit einem der Pestizide nicht in Ordnung ist. Wie einfach hätte er es, die öffentliche Wahrnehmung in einer andere Richtung zu lenken, wenn er auch nur einem der 45.700 Mitarbeiter den Auftrag erteilt, eine Gegendarstellung zu schreiben, die dann wieder in Windeseile von allen Massenmedien weltweit verteilt werden.

Ihr versteht das sehr grundsätzliche Problem?

Das ist natürlich nur reeeeeein hypothetisch. 

Auch wenn ich mich bereits mehrfach über Glyphosat verharmlosende Artikel gewundert habe, die ihren Ursprung bei Reuters genommen haben.
Aber klar. Alles. Reiner. Zufall.

Tatsächlich?!

Nun, tatsächlich heisst die hypothetische Firma Farmers Edge, und Thomson ist über seine Firma Osmington Inc. einer der Hauptinvestoren. Die Zielsetzung der Firma ist nach eigener Darstellung über Digital Farming "der gesamten industriellen Agrikultur, inklusive der Saatgutfirmen, der Düngerproduzenten bis hin zum Grosshandel hilfreich zur Seite zu stehen."  Thomson/Osmington hat offenbar im Mai 2016 sogar nochmal die Investition aufgestockt.

Die Pestizide und Glyphosat könnt Ihr Euch direkt hinzudenken, denn zwischenzeitlich ist ja - z.B. beim Soja der Markteinteil von genetisch verändertem Saatgut, das resistent auf Glyphosat ist irgendwo über 90% des Weltmarktes. Der Einsatz also nur eine logische Folge daraus.

Auf der Farmes Edge Webseite finden sich auch dezente Hinweise in den Grafiken, unter "Treatment" ist recht sicher nicht totstreicheln von Unkraut und Schädlingen gemeint.


Networking: Monsanto-Mitarbeiter in Schlüsselpositionen

Es mag vielleicht die besondere Expertise sein, die dafür gesorgt hat, dass man mit Lucas Trindade, einer ehemaligen Monsanto-Führungskraft dann auch gleich das gesamte Brasilien-Geschäft unterstellt hat. Natürlich. Die Leute kennen sich ja aus, mit GMO-Saatgut und allem, was man so an Giften drübersprühen kann.


Auch räumlich recht kuschelig

Es ist mir in diesem Zusammenhang auch noch etwas anderes aufgefallen.
Das Monsanto-Hauptquartier ist in einem Ort namens Creve Coeur, einer Gemeinde mit nicht ganz 20.000 Einwohnern. Und wenn man auf der Wikipedia-Seite des Ortes einmal ein klein bisschen genauer hinschaut, dann sieht man einen Punkt unter Wirtschaft (Economy), der da lautet "Die Top 10 Arbeitgeber" (Top ten employers). Und siehe da.
Da ist Monsanto ja auch schon. Auf Platz 2.

Aber wen finden wir denn da auf Platz 3? OHA!

Wie praktisch es doch wäre, wenn man sich irgendwo in der Mitte des Ortes treffen könnte, um im gemütlichen Plausch die neuesten Nachrichten zur Sicherheit von Glyphosat und die böse Welt da draussen, die Monsanto in allem was sie tun missversteht - gemeinsam beleuchtet, und dieses Bild dann über Agenturmeldungen geraderückt. 
Der Ort ist zu klein, als dass man sich nicht "über den Weg läuft".


Es ist jetzt anders und das müssen wir verstehen.

Ich interpretiere:
- Reuters, der Goldstandard des Journalismus. Das war mal. 

- Unabhängig, frei und unbeeinflusst. Vorbei.

- Hoher ethischer Standard.
Spätestens seit den Fakeartikeln von Kate Kelland (kommen wir gleich noch drauf!), die sich lasen, als seien sie direkt aus einer Monsanto-Werbebroschüre abgeschrieben: Geschichte.



Sage ich damit jetzt, dass jede Meldung von Reuters falsch ist?
NEIN!

Ganz sicher gibt es viele Meldungen von (Thomson!) Reuters, die journalistisch sorgfältig erarbeitet sind, und ebenfalls sicher gibt es dort Mitarbeiter, die ihre Arbeit zum besten Standard erledigen, den man sich wünschen kann (wenn sie nicht gerade von lachenden US-Hubschrauber-Piloten in Stücke geschossen werden).

Ich sage vielmehr: Vorsicht! 

Reuters ist nicht mehr das Reuters, auf das sich einst die ganze (Nachrichten)welt verlassen hat und man zu 100% wusste: Was da kommt ist nach allen journalistischen Standards gegengeprüft und sind somit verlässliche Nachrichten.

Reuters ist jetzt das Nachrichtenorgan eines einzelnen reichen Geschäftsmannes, der so viel Geld besitzt, dass er damit - und in Kombination seiner Medienmacht - alles zur Nachricht machen kann, was seinen eigenen geschäftlichen Vorhaben zuträglich ist.

Und alle Massenmedien werden das bereitwillig verteilen.


Merkwürdige zeitliche Übereinstimmungen

Und - wir werden uns darauf verlassen können wie ein Uhrwerk, dass zu bestimmten Ereignissen immer dann Breaking-Verharmlosungs-News pünktlich von Reuters lanciert werden, wenn es um Glyphosat gerade schlecht steht.

Das war beim ersten Prozess so, vor ein paar Tagen beim zweiten, und immer wieder in entscheidenden Phasen während der Wiederzulassung des Totalherbizids in der EU.

Der Fall Kelland - ein Skandal, der zu wenig Beachtung fand

Aber ganz besonders war es der Fall, als Kate Kelland von Reuters im Rahmen der Diskreditierungskampagne der Krebsforschungsagentur IARC 2 Artikel schrieb, von denen wir heute aus den Monsanto Papers gesichert wissen, dass sie die von Monsanto ins Blatt diktiert bekam.

Um die Auswirkungen der Story deutlich zu machen: Diese Artikel schlugen derart Wellen und waren derart wirksam gegen den Ruf der WHO/IARC, dass es Anhörungen im Repräsentantenhaus gab, und die USA ernsthaft in Erwägung zogen, der IARC die Gelder streichen zu lassen. [1] [2] [3]

Die Dame erhielt sogar einen Preis(!) für diese Ungeheuerlichkeit.


Auf Anfrage von LeMonde, ob dieser Artikel zurückgezogen werde, nachdem die Hintergründe mit handfesten Dokumenten aufgearbeitet wurde - antwortete Reuters:

[Zitat: Übersetzt]

"Reuters ist überzeugt, dass der Artikel eine vollständige, faire und genaue Darstellung der Fakten darstellt, auch bei der Zuordnung der zitierten Rechtsdokumente."


Und ich stelle mir die Frage:
Wäre dieser Artikel immer noch online, wenn diese Nachrichtenagentur 
nicht Herrn Agrar-Investor Thomson gehörte?


Seht Ihr. Jetzt versteht Ihr mein Problem.

Wenn also eine Nachricht von Reuters kommt, ganz gleich ob direkt oder in anderen Blättern/Medien als Urquelle ausgewiesen ist:

Schaut genauer hin!


Bis später.

Weiterführende Links:

Sonntag, 3. März 2019

Wenn Süssstoff Dir auf die Nerven geht...

KKwickie
Wenn Süssstoff auf die Nerven geht
Studie zeigt negativen Einfluss auf kognitive Fähigkeiten


In unserer Facebookgruppe haben wir sehr oft erlebt, dass sich neue Teilnehmer schwer taten, ihre süssstoffhaltigen Lieblingsgetränke wie Cola Light und Cola Zero für die Dauer der Abnehmphase in der Flasche oder besser noch - im Regal - zu lassen.





Etliche Berichte zu Entzugserscheinungen konkurrierten mit Teilnehmern, die sich ALLES vorstellen konnten, nur DAS nicht. Einige der Unterhaltungen waren seitens der ZeroLight-Fans fast schon von aggressiven Untertönen geprägt. Was eigentlich oft ein Zeichen ist, dass da etwas sucht-/ähnliches stattfindet.

Zwischenzeitlich gibt es eine ganze Reihe an Studien die darauf hinweisen, dass Süssstoffen das Hungergefühl so verändern, dass man mehr isst, als es der Körper normalerweise verlangen würde, könnte man sich unbeeinflusst auf das "Bauchgefühl" verlassen.

Nun hat eine spanische Studie über den Zeitraum von 6 Jahren festgestellt, dass Süssstoffe zumindest in Getränken, die diese enthalten auch die kognitiven Fähigkeiten*) nachhaltig negativ beeinflussen.


Besonders unschön daran ist, dass es sich nicht nur um einen kurzfristigen Effekt während der Verwendung handelt, sondern offensichtlich tatsächlich um eine nachhaltige Schädigung. 

Es gab immer wieder Studien in der Vergangenheit, die Süssstoffen wie Aspartam und Acesulfam-K Unbedenklichkeit bescheinigten. Schaut man sich aber die Abteilungen "Interessenkonflikte" oder "Bezahlt durch" an, bekommt man schnell den Eindruck, dass da das wirtschaftliche Interesse dem wissenschaftlichen Interesse ein Schnäppchen geschlagen hat.

Bei der spanischen Studie jedoch ist das anders: Die ist im Rahmen einer staatlich finanzierten Ernährungsstudie entstanden und nur ein Beiprodukt der eigentlichen, sehr viel grösseren Studie. Die Autoren fanden jedoch diesen Fund wertvoll genug, um ihn in eine eigene Veröffentlichung zu packen.

Auch wenn die Studie sich mit Süssstoffen in Getränken auseinandergesetzt hat, sehe ich keinen Anlass, wieso diese künstlichen, unnatürlichen Chemikalien in irgendeiner Weise anders wirksam sein sollten, wenn sie in andere industrielle Nahrung eingearbeitet sind.
Für Abnehmbemühungen bleibt es dabei: Da sind diese künstlichen Süsser ungeeignet, wenn man seine Ziele möglichst effizient erreichen will. 


In jedem Fall ist es wirklich eine Überlegung wert, ob man sich für den Geschmack in eine suchtähnliche Situation begeben will, die einem auf lange Sicht im wahrsten Sinne des Wortes "auf die Nerven" geht.


Gibt es nicht schon genug andere Umwelteinflüsse, die uns Schaden zufügen, denen wir weniger leicht ausweichen können?


Bis später.



Weiterführende Info:


EXTERN
Link zur Studie


MEHR IM BLOG
Warum Zero und Light nicht leichter machen
Cola Life: Die nicht mehr ganz so neue mit Stevia
Stevia: Endabrechnung mit dem süssen Kraut

DEFINITION
*) Definition kognitive Fähigkeiten:
"Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen zum Beispiel die Aufmerksamkeit, die Erinnerung, das Lernen, die Kreativität, das Planen, die Orientierung, die Imagination, die Argumentation, die Introspektion, der Wille, das Glauben und einige mehr."

Dienstag, 26. Februar 2019

Wenn Dir das BAYER eine Zitrone schenkt...

KKopfschüttler
WENN DIR DAS BAYER EINE ZITRONE SCHENKT...
... mach keine Limonade draus!

Ich hätte ja nicht gedacht, dass sich der Zynismus bei der deutschen Presseabteilung der Bayer AG angesichts der Aktionen der letzten Monate noch irgendwie toppen lassen könnte. - Ich habe mich geirrt!

Aber von vorne... 




Es ist noch nicht allzu lange her, da habe ich mit einem Zitronen-Anbauer in Florida ein recht langes Interview geführt.

Auslöser war ein Hinweis, dass die Zitrusbauern dort ein massives Problem mit ihren Zitronen und Orangen-Plantagen haben.

Die Farm meines Interviewpartners hatte 3 Jahre in Folge keine Früchte getragen. Totalverlust. Benannt hat er dieses Phänomen "Citrus Greening" und glaubhaft versichert, dass das auch sehr viele seiner Kollegen treffen würde.

Doch eines war bei ihm eben anders...

Er hatte sich Spezialisten von einer Uni auf die Farm geholt, die ihm erklärten, was er da sehe würde von einem Bakterium ausgelöst. Das wollte er nicht glauben. Und das war gut so...

In Florida werden die Plantagen mindestens 5x im Jahr mit massiven Dosen Glyphosat gespritzt. Insgesamt 20 bis 25 quart per acre, das sind umgerechnet also bis zu 58 Liter auf den Hektar. Massiv. Sagte ich ja.

Nun hatte er eben das Problem, dass seine Plantage immer weniger Früchte brachte, bis er in 3 aufeinanderfolgenden Jahren einen Komplettausfall verzeichnete. Egal, was er tat, die Bäume, die ihm so lange gute Dienste geleistet hatten, weigerten sich, Früchte anzulegen.

Wer sich mit Glyphosat beschäftigt wird an sehr vielen verschiedenen Stellen einen Eingriff in die Fruchbarkeit erleben, ob das bei Bienen ist, anderen Tieren, und auch beim Menschen.

Dass Pflanzen ab einer Langzeitanwendung so reagieren, war ja schon aus einer Untersuchung der Uni Hohenheim hinlänglich bekannt.
Hier eine Abbildung, wie sich die Anwendungsdauer in der Praxis auf das Wachstum niederschlägt:





Für ihn war das natürlich eine Katastrophe, und ihm blieb nicht mehr als jedes Jahr neu zu hoffen. 

Natürlich schaut man sich dann bei Kollegen um, stellt Fragen und versucht irgendwie die Ursache zu verstehen und Lösungen zu finden. 

Ausser dem oben schon erwähnten Uni-Team erklärten ihm auch seine Kollegen, dass es sich um einen Bakterienbefall handele und wohl ein kleines Insekt eine Rolle spielen würde.
Es gibt einen recht dünnen Wikipedia-Artikel zu Candidatus Liberibacter, hier.


Was macht man also, wenn man Insektenbefall hat? Richtig. Noch mehr spritzen.

Da er sich aber auch schon anderweitig umgesehen hat, und ihm das Ganze komisch vorkam, und er ausserdem hörte, dass die vorgeschlagenen Behandlungsmethoden nicht anschlugen, hörte er sich weiter um.


Jemand brachte ihn auf Glyphosat als möglichen Auslöser. 


Und schlug ihm vor, die Böden daraufhin zu behandeln. Er stimmte zu.

Und siehe da, eine reine Behandlung auf die Glyphosat-Problematik hin zeigte Wirkung!
Während die Erfolge bei jenen, die das taten, was ihm die Insekten-Bakterien-Menschen vorgeschlagen hatten sehr dürftig und bescheiden ausfiel. Kein Wunder, dort wurde ja weiter Glyphosat eingesetzt!

Nach 8 Monaten ohne Glyphosat und mit den richtigen Bodenbehandlungen zeigten sich erste Effekte. Und 2 Jahre später war die Plantage zu 100% wieder in Ordnung.



(Symbolfoto)




Heute kann er es noch genauer beschreiben:

Kleine Bäume sind nach etwa 3 Jahren der Anwendung betroffen, bei grösseren dauert es etwa 10 Jahre, bis sie erkranken.

Ebenfalls brisant: Erstmals gezeigt hat sich die Krankheit in der Saison 2005, das ist ziemlich genau das Jahr, wo wir auch alle anderen Krankheitsbilder, inklusive die bei den Menschen fast exponentiell ansteigen sehen.

Ich fragte ihn, wie es denn um seine Gesundheit bestellt sei - und die seiner Kollegen.

Er antwortete: 


"Ich haben so viele sterben sehen. Sehr viele sind Krank, Parkinson, Krebs, Verdauungsprobleme, alle nehmen Medikamente. Die Farmhelfer übrigens ebenso."

Kommt verdammt bekannt vor, nicht wahr?!


Und welche Frage kommt einem dann noch in den Sinn? Richtig:

Wenn rund um die Zitronen so viel Glyphosat eingesetzt wird... ist es dann eigentlich auch in den Erzeugnissen?


Um die Frage beantworten zu können, gibt es zwei Möglichkeiten. 

1) Man fragt einen Obstbauern in Deutschland. Einen Apfelbauern am Bodensee, um genau zu sein (Grüsse nach Mals an dieser Stelle!).
Um von dem dann verächtlich ausgelacht zu werden, erklärt zu bekommen, dass man sich erstmal mit Landwirtschaft überhaupt auseinandersetzen soll und dass das eine dumme Frage ist, weil ja die Früchte (Äpfel) kaputt gehen würden...

Ich entschied rasch, dass das nicht wirklich zielführend war und ging den zweiten Weg...


2) Man schaut, ob es nicht schon MESSWERTE für die Endprodukte gibt.
Und siehe da, die gibt es... Voilá:

Gemessen wurden 10 Proben der in Amerika beliebtesten Zitrussaftmarken.




Das sind also Werte von 4,33 bis 26.05 ppb.  


Um die ins Verhältnis zu setzen:

Unsere Langzeitstudie hat in den Proben aus der EU für Deutschland in einer Interims-Auswertung einen Durchschnittswert von 1,257 ppb ergeben. 


Das bedeutet, der niedrigste  gemessene Wert entspricht dem 3,4-fachen, der höchste dem 20,7-fachen von dem, was wir bei uns in den Menschen im Schnitt gemessen haben...

Wie gut, dass ich mich nicht alleine auf die Bauernschläue des Apfelbauers verlassen habe!

Es wäre mehr als interessant unsere Apfelsäfte mal testen zu lassen, denn im Obstbau wird am meisten Glyphosat bei Apfel und bei Wein eingesetzt. Und vom Wein wissen wir ja schon, dass der belastet ist.

Aber den Apfelsaft, den geben wir unseren Kindern...

So, jetzt konnte ich endlich meine kleine "Reise" rund um das "Citrus Greening" beschreiben.



Und jetzt kommen wir zum Titel und der Intro zurück. Und dem Zynismus des PR-Teams der BAYER AG.



Jetzt, wo Ihr das alles wisst und mit Kontext könnt Ihr Euch vielleicht lebhaft vorstellen,
was in mir vorging, als ich gestern diese Werbung fand:




Soso. Florida und Brasilien...  

Bevor wir neue Technologien brauchen, müssen wir sie testen. Eingehend. 
Und vor allem unabhängig. 

Aber bevor das überhaupt passiert, sollten wir uns zuerst mal der Technologien entledigen, die die Probleme überhaupt erst schaffen.



Bis später.


Weiterführende Info:

Wikipedia: Candidatus Liberibacter
Laborbericht Orangensäfte
Die Bayer-Werbung zu "Citrus Greening"




Leserfrage: Glyphosat, Wasser und Filtersysteme


Über Glyphosat, Wasser, Filtersysteme
Eine Leserfrage. Beantwortet.

Nachdem ich neulich zum wiederholten Male gefragt worden bin, wie das eigentlich ausschaut mit dem Thema Wasser und Glyphosat und ich den Text schon fast fertig in einem Facebook-Kommentar stehen hatte, den dort dann keiner mehr liest - und den ich niemals wieder finden würde, wenn ich ihn bräuchte - entschloss ich mich kurzerhand, den Text hier reinzukopieren. (Damit ich ihn später HIER nicht wiederfinde, wenn ich ihn mal wieder brauche....) 

So habt Ihr alle was davon. 





FRAGE:

Die Frage lautete sinngemäss, ob Filtersysteme von Multi-Level-Marketing-Anbietern (MLM) etwas taugen und welche ich empfehlen könnte. Und wenn ich es richtig verstanden habe auch, ob ich deren Analysebögen/Studien glaube. Dann war da noch eine Passage, was die Stadtwerke bei ihm vor Ort zum Thema Wasserqualität und Glyphosat zu sagen haben, die ich auch gerne kommentieren möchte.

ANTWORT:

Ich glaube nicht, dass ich Deine Frage(n) zu 100% so beantworten kann, wie Du Dir das wohl vorstellst. 

- MLM -
Der Grund ist einfach und ich will da auch ganz klar sein: 
Ich kann MLM absolut nicht ausstehen. Also. AB. SO. LUT. NICHT. 

Das liegt daran, dass ich schon zigmal Menschen gesehen habe, die sich blenden liessen von den Produkten, von den Hype-Veranstaltungen und von dem einen oder den zwei [zensiert] ... äh ... Menschen mit dem Porsche. 

Und dann - wie oft bei diesem Schneeballsystem üblich - die Waren sehr teuer eingekauft haben, um sie dann weiterzuverkaufen.

Und das, obwohl selbst jeder im Raum der Verkaufs-/Anwerbeveranstaltung mit verbundenen Augen erkennt, dass dort null Verkaufstalent vorhanden ist.
Und so bleiben viele drauf sitzen. Hauptsache den Sprit für den Porsche bezahlt.

Ein solches System mag ich einfach auf gar keinen Fall unterstützen, egal wie gut das Produkt ist. Denn jeder, der dort kauft, hält das System am Leben. 

Das ist meine persönliche Meinung, und ich höre gerade vor meinem geistigen Ohr einen dieser jungen Schulungsleiter-Verkaufsgenies eines MLM-Unternehmens, der jetzt nach Skript reflexartig den Satz spricht: 
"Wer so über unsere Firma spricht, hat MLM nicht verstanden."

Um ihn dann 2 Monate später seine eigenen Schulden ans Unternehmen abbezahlen zu sehen, indem er im Stadtgarten Bonbon-Papier aufspiesst.

Mit einer Lanze, die wohlgemerkt die Stadt bezahlt hat, und nicht er - durch einen Kredit, den ihm die MLM-Firma in ihrer grenzenlosen Güte gewährt hat, damit er sofort starten kann.

So, nachdem der Teil jetzt länger wurde, als ich mir das bei "Ich glaube nicht" noch gedacht habe, kommen wir zum Wesentlichen...

- FILTERSYSTEME -
Ich weiss, dass es da draussen Filtersysteme gibt, die zwischenzeitlich Glyphosat als Verkaufsargument aufgenommen haben. Mit und ohne Schneeballsystem.

Für mich ist das hier schwer zu testen. Man bräuchte eine Referenzprobe, den oder die Filter und müsste das in ein Labor schicken - das alles ist Geld, das ich woanders besser angelegt sehe, z.B. in konkreten Lebensmitteltests für Produkte, die vor allem an Kinder gerichtet sind. Deshalb habe ich keine Ahnung, ob das X oder Y- Produkt funktioniert oder nicht... Kann sein, muss nicht.

Allerdings steht eines fest:
WENN Glyphosat im Wasser ist, dann ist das nicht einfach, damit umzugehen.


- UNSERE WASSERTESTS -
Wir selbst haben zwischenzeitlich tatsächlich schon eine Reihe Wasserproben genommen und ins Labor geschickt, eines davon war das Leitungswasser hier vor Ort, ausserdem testeten wir Oberflächenwasser aus Bach, Fluss oder See, einmal Brunnenwasser, einmal Grundwasser.

Glücklicherweise waren bisher noch ALLE Proben negativ. 
Nicht eine hat bisher Glyphosat nachgewiesen.


- TESTSITUATION BEI DEN WASSERWERKEN - 

Aber jetzt kommt der Fallstrick: 

Während Deine Stadtwerke jetzt durchatmen und sagen: 
"Siehst Du, das am strengsten kontrollierte Lebensmittel... sag-eeech-doooch...", 
würden sie sofort den Kopf einziehen, wenn sie mit mir darüber reden müssten. 

Denn ich habe das schon ein paar Mal gemacht: 
Stadtwerke nach dem Glyphosatgehalt zu befragen.
Die antworten eigentlich fast alle gleich, teilweise im Wortlaut. 
Und - natürlich haben die NIE Glyphosat im Wasser.

Sagen sie. 

Und dann frage ich nach einer Kopie der Glyphosat-Analyse-Berichte. 
Und in welchen Abständen sie das testen.

Und dann sagen sie (achte mal genau auf die Aussage):
"Pestizidtests sind bei uns Standardtests, die machen wir regelmässig."
"Ja", sage ich dann, "aber die Standardtests beinhalten Glyphosat ja eben genau NICHT..."
"Öhhh... Ähhh....ja das stimmt."
"Was mich zu der Frage führt: 
Wie können Sie dann behaupten, in ihrem Wasser sei kein Glyphosat!?"

- Ab hier wird das Telefonat traditionell frostig... Und kreativ. 

Aus Platzgründen hier nur den besten Abgangspruch, der dann kam:
"Ja, wenn Sie alles so viel besser wissen, wieso rufen Sie dann überhaupt hier an?"

Eine ganze Zeit lang habe ich nicht verstanden, wieso das so ist. 

Ich meine, wer hat schon eine diebische Freude daran, jemanden super auszutricksen, indem man einfach behauptet, "da ist nix drin", obwohl man es - nicht mal besser - sondern gar nicht - weiss.

Aber dann hatte ich Glück. Ich telefonierte mit dem Pressesprecher der Landeswasserversorgung Baden Württemberg. 

Und dort erfuhr ich den Grund:

- WARUM NIEMAND TESTET -

Einen Liter Glyphosat zu neutralisieren kostet das Wasserwerk zwischen 100.000 und 200.000 Euro. Und sie sind gesetzlich verpflichtet, das in Ordnung zu bringen, falls sie etwas messen. Also machen sie es wie die Behörden nach den Grundwassertests über EU-Limit in Brandenburg... Lieber einfach gar nicht messen...

"Was machen Sie denn, um das Glyphosat zu neutralisieren?", fragte ich ihn.
Er antwortete:

- WAS ZU FUNKTIONIEREN SCHEINT -

Aktivkohlefilter. Teuer. Klappt aber.
Selbst mit dem Wasser, das sie in der Donau in schon mindestens 2 Proben 
über EU-Trinkwassergrenzwert fanden.

Das ist also ein Hinweis, was funktioniert, und das deckt sich auch mit anderen Anwendungen, als man z.B. einen Kuhstall neutralisiert hat, der durch den Umstand, dass die Kühe Gensoja-Kraftfutter fressen und das über den auf den Betonboden prasselnden Urin aerosol überall in der Luft und im Stall verteilen.

Hat also der Filter Deiner Wahl Aktivkohle drin, so könnte das funktionieren.
Wenn nicht... es schadet ja nicht, zwei Filter hintereinander zu schalten.


Und dass unser "bestüberwachtestes Lebensmittel" noch anderen Kram wie Medikamentenreste etc drin hat, wissen wir ja.


Ich hoffe das konnte Dir - und allen, die hier mitlesen - ein bissl weiterhelfen.


Bis später.



Weiterführende Info:
Ein SWR-Interview mit der Landeswasserversorgung Baden-Württemberg
Video kann ich leider nicht mehr verlinken, denn es ist dort gelöscht.
Ironischerweise sind ältere Videos noch da, die nicht mit Glyphosat zu tun haben.


Aber das Positionspapier der angesprochenen Landeswasserversorgung findet sich hier







Samstag, 12. Januar 2019

Hülsenudeln - Nudeln aus Hülsefrüchten

KKonkret
Neues zu Nudeln
Was es über Nudeln aus Hülsenfrüchten Wichtiges zu wissen gibt



"Meine Frau, die Hülsebill, macht nicht so, wie ich es will..."

Das werden sich die Tester von Ökotest wohl neulich gedacht haben, als sie ihre Testergebnisse einer Reihe von Nudeln aus Hülsenfrüchten ausgewertet haben.

Noch mehr so, weil sie "BIO"-Nudeln getestet haben.

Ich habe mir deren Artikel über den Online-Kiosk gekauft und erlaubt, die Ergebnisse einmal in unserem KKontext zu bewerten.





Sagte ich's doch: Bio ist nicht gleich Bio

Ich denke mal, ich bin mit dem Gedanken nicht alleine: 
Wenn man schon die Bio-"Steuer", also den Mehrpreis für Lebensmittel mit einem Biosiegel ausgibt, dann erwartet man irgendwie, dass diese so natürlich und frei von Schadstoffen sind, wie nur irgendwie möglich.

An verschiedenen Stellen habe ich nun schon darauf hingewiesen, dass es verschiedene Bio-Siegel gibt, die die Tinte nicht Wert sind, mit der sie aufgedruckt werden.

Zumindest, wenn man an entscheidenden Stellen - wie z.B. bei Glyphosat-Rückständen - Sicherheit sucht.

Allen voran kritisierte ich immer die wachs-weich-gewaschenen EU- und DE-Biosiegel.


Das hat bei verschiedenen Lesern dann immer mal verschiedene Reaktionen ausgelöst.


Bei einigen Kommentaren konnte man zwischen den Zeilen so etwas wie Ungläubigkeit erkennen. Wie kann das auch sein, dass wir von der Lebensmittelindustrie dermassen an der Nase herumgeführt werden? Es gibt doch Sicherheitseinrichtungen? 

Der Staat passt doch auf uns auf?

Wieder andere sagten: 
"Seht Ihr, wusst ich's doch: Bio ist Betrug um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen." 

Und wenn man sich nun die aktuellen Testergebnisse anschaut, dann versteht man auch, woher das Misstrauen gegenüber BIO eigentlich herkommt.

Jedenfalls sollten selbst die letzten Kritiker verstehen, dass meine Einschätzung -LEIDER- von Anfang an richtig war...

Aber lest selbst:


DAS WURDE GETESTET

Neben verschiedenen Qualitätskriterien wie Geruch, Mundgefühl oder unzutreffenden Angaben zu den Kochzeiten wurden vor allem 2 wesentliche Untersuchungen auf Schadstoffe vorgenommen.

Gruppe 1: MOSH/POSH und MOAH

Klingt ein bisschen wie die Mischung aus "Spice Girls" und "Mutter aller H...ähnchenschlegel", gell?! 

Aber nö. 
Das sind Mineralölbestandteile, die sich im Körper anreichern, die Leber schädigen oder krebserregend sein können.

Also das Gegenteil von dem, was man in einem "Lebens"-Mittel erwarten sollte.

Hat also in Nudeln nix verloren. Und eigentlich sowieso schon mal gar nicht ausgerechnet in denen, auf die die eher gesundheitsbewussten ausweichen, weil z.B. die "normalen" Nudeln ohnehin schon spürbare Quaddeln auf der Darmwand im Platze-Fast-Blähbauch erzeugen.   


Gruppe 2: GLYPHOSAT
Auch hier liege ich leider schon seit Jahren richtig: Wer keinen Unkrautvernichter mit eingebautem Krebsverdacht auf dem Teller will, kann sich auf das Biosiegel alleine nicht verlassen, wie Ihr gleich sehen werdet.

ERGEBNIS
Aus 19 Produkten steckte in zwei Dritteln Mineralöl-Sipf, in fünf der krebserregende, und in VIER der Nudelprodukte fand sich Glyphosat. 





Nochmal zur Erinnerung:

Wir reden hier über Produkte, die ein BIO(!!!)-Siegel tragen!

Nicht auszudenken, was wohl geschieht, wenn sich Ökotest als nächstes die konventionellen Produkten vorknöpfen...





AUSWEICHEN IMPOSSIBLE?

In unserer GTEST-Studie wurde ich von den Testpersonen wiederholt gefragt, die sich überwiegend oder ausschliesslich von Bio-Produkten ernähren und trotzdem Glyphosat in sich nachgewiesen haben gefragt, wo das wohl herkommt. Ich denke, der Ökotest-Artikel gibt einen Hinweis.





WIE ÄNDERN WIR DAS?
Wir haben zu wenig solcher Kontrollen, weshalb ich Euch vorschlagen möchte, den Artikel über den Kiosk zu kaufen um deren wichtige Arbeit zu unterstützen. Lebensmittel-Tests sind teuer und wir können gar nicht genug von diesen unabhängigen Testergebnissen bekommen. Einmal um für uns selbst Gewissheit zu bekommen und zum anderen, weil die Ergebnisse den Handel dort treffen, wo es am ehesten für eine Veränderung sorgt: Am Geldsack.

Der Artikel weist darauf hin, dass Rossmann (Ener Bio Linsen Spirelli) nach eigenen Angaben das Produkt bereits verändert hat. Wohin, das weiss natürlich keiner, aber wenn das nochmal auffällig werden sollte bei einer möglichen Nachkontrolle ist das Produkt vermutlich gleich ganz weg. Und Rossmann's Ruf dann mal so richtig nachhaltig geschädigt. Einmal mag man noch nachsehen oder vergessen, aber zweimal auf den gleichen Rechen treten ist unverzeihlich. Dumm.

Das ist ein Ansatz zur Veränderung. 


Nicht der einzige, aber ein wichtiger. So passiert was in die richtigere Richtung.

Es reicht aber nicht, dass Ihr nur den Artikel kauft. Schreibt auch die Redaktion an, dass es Euch wichtig ist, noch mehr solche Tests auf Glyphosat-Rückstände zu sehen. Fordert das dort ein. Gebt denen ein Hinweis, was Euch wichtig ist. Eine Email kostet nichts. Und sowohl Zuspruch als auch Hinweise, was die Leser interessiert motiviert in die richtige Richtung.


KK und Nudeln
Die meisten von jenen, die sich intensiv mit KK beschäftigt haben wissen, dass vorverdaute weil kleingehäckselte Lebensmittel immer dann nicht ideal sind, wenn man sich um eine effiziente Abnahme bemüht. Die Erfahrungswerte sind da klar, und vor einer Nudel ist die Hülsenfrucht am Stück noch immer die bessere Wahl. Das gilt aber nicht nur dort, sondern bei allen anderen Lebensmitteln, die man sonst so als zerhackt, püriert oder verflüssigt bekommt. Je kleiner desto schneller durch den Magen desto schneller wieder Hunger. So einfach und logisch ist die Sache.

Wer sich in der Haltenphase aufhält kann sich das natürlich viel eher mal zwischendruch leisten. Denn da geht es ja nicht mehr um effiziente Abnahme-Erfolge.

Aber noch wichtiger ist in diesem sehr speziellen Fall der Hülsenudeln aber noch ein weiterer Aspekt, der wieder alle etwas angeht:
 
Wie kommt eigentlich das Mineralöl überhaupt da rein?
Die Ökotester geben als Vermutung zu Herkunft neben dem offensichtlichen Austritt aus Maschinen auf dem Feld bei Anbau und Ernte die mir viel wahrscheinlichere Quelle Transportverpackungen aus Altpapier und die Verunreinigung bei der Verarbeitung (z.B. in den Nudelmaschinen) an. Auf die Verpackung achten lohnt offenbar.






Wenn Ihr jetzt einmal mitdenkt und vergleicht, wie viele dieser Quellen Ihr schon mal ausschliesst, in dem Ihr nur die ganzen Hülsis den Hülse-Nudeln vorzieht, dann wisst Ihr auch etwas über die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr vielleicht doch Mist erwischt. 

Die ist bei den Nudeln durch die vielen weiteren Faktoren einfach höher.

Kann man hinnehmen. Muss man aber nicht.

Sollte man auch nicht.



Bis später.



Weiterführende Links:
Öko-Test-Teaser: Wie gut sind die eiweissreichen Pasta-Alternativen?
Hier im Blog: Sind Hülsenfrüchte ungesund?




Sonntag, 30. September 2018

Faktencheck: Johnson vs Monsanto oder auch 289,2 Mio zu 0

Faktencheck
DIE FAKTEN UND WAHRHEITEN 
ÜBER DEN JOHNSON-PROZESS
- Recherche als Kontrapunkt -


Am 10. August 2018 bekam ein Mann mit seinem Anwaltsteam von einem Geschworenen-Gericht die Rekordsumme von 289.200.000 US-Dollar gegen Monsanto zugesprochen: Dewayne Lee Johnson. 




Dieses Urteil gilt als richtungsweisend für derzeit (letzter Stand) 8.900 weitere ähnlich gelagerte Fälle in den USA.

Auffällig, wenngleich wenig verwunderlich ist, dass gewisse Kräfte alles in ihrer Macht stehende tun, um dieses Ergebnis so gut es eben geht herunterzuspielen. Begonnen hatte das ja schon an dem Tag, an dem das Ergebnis öffentlich wurde. 


Da sagte ein CDU-Mann, man solle die Kirche im Dorf lassen, das habe ja ein "Schnellgericht" entschieden. Julia Merlot vom Spiegel spricht von einem Urteil, das von "Laienrichtern" gefällt wurde. 

Ein paar der wiederkehrenden Behauptungen möchte ich daher einmal einem Faktencheck unterziehen und ich habe weitere Infos zusammengetragen, damit man mal ein Gefühl bekommt, von welcher Grössenordnung man bei dem Verfahren spricht.
Und was die Jury möglicherweise bewegt hat, dieses Urteil zu sprechen.


Behauptung
     "Der Prozess wurde von Laien in einem Schnellgericht entschieden."    

Die Tatsachen:
Das amerikanische Gerichtswesen unterscheidet sich in vielen Dingen von unserem.
So werden manche Dinge nicht nur von einem Richter, sondern auch von einer Jury aus Geschworenen bestimmt. 
Die Jury im Johnson-Fall bestand aus 8 Männern und 4 Frauen. 

Diese wurden in einem relativ langwierigen Verfahren ausgewählt, bevor die endgültigen 12 Personen gefunden waren, wurden sogar 35 seitens Verteidigung, Anklage und der Richterin abgelehnt und nach Hause geschickt. 

Die endgültige Jury wurde also von beiden Seiten akzeptiert.

Es handelte sich um eine recht hochkarätige Jury aus Juroren, von denen einige eine wissenschaftliche Ausbildung hatten. Alle waren/sind in einem anspruchsvollen Beruf tätig.  


Wie sowohl die Parteien als auch das Gericht eingeräumt haben, war die Jury während des langen Prozesses sehr engagiert und aufmerksam, stellte interessante, komplexe Fragen und zeigte die Bereitschaft, während des Auswahlverfahrens unparteiisch zu sein.  

Der Prozess dauerte mehr als einen Monat, man prüfte über hundert Beweisstücke, hörte über viele Stunden Expertenaussagen an und beendete ihn nach drei Tagen intensiver Beratung durch die Jury mit einem einstimmigen Urteil.  

Von einem "Schnell"gericht kann hier also keine Rede sein. 
Richtig ist jedoch, dass es sich um einen beschleunigten Prozess handelt, da Herr Johnson an einem Non-Hodgkin-Lymphom stirbt. In Kalifornien haben todkranke Kläger Anspruch auf einen beschleunigten Prozess, um die Wahrung von Rechten zu gewährleisten, die bei Tod erlöschen. 

Diesen Umstand jedoch als "Schnellgericht" abzuwerten ist geschmacklos und spottet von einem moralischen Standpunkt jeder Beschreibung.    


Wann startete der Prozess?
Herr Johnson reichte seine Klage gegen Monsanto Co. im Januar 2016 ein. 


Vorlauf - Eigentümlichkeiten des amerikanischen Gerichtssystems
Bevor sein Fall überhaupt von einer Jury entschieden werden konnte, musste ein Richter des California State Court entscheiden, ob die Ansichten der Experten von Herrn Johnson zulässig und ausreichend waren, um von einer Jury gehört zu werden. 

Hätte der Richter die Experten von Herrn Johnson abgelehnt, hätte Johnson keine Beweise über die medizinischen Ursachen vorlegen können. 

Der Richter musste auch ganz grundsätzlich entscheiden, ob Herr Johnson genügend Beweislast zusammengetragen hatte, aus der eine Jury schließen konnte, dass Monsanto in der Frage arglistig oder betrügerisch gehandelt hatte, oder Tatsachen so vertuscht und unterdrückt hatte, dass sogar ein sogenannter Strafschadenersatz /Punitive Damages gerechtfertigt wäre. [Definition: Was sind "punitive damages"?]


Die Vorverhandlungen überstanden
Am 17. Mai 2018 erließ Richter Curtis E.A. Karnow nach den Vorverhandlungen dann eine Anordnung, die es der Anklage erlaubte, die wissenschaftlichen Beweise im Zusammenhang mit der Ursache von Herrn Johnsons Krebs ebenso durch Geschworene prüfen zu lassen, wie auch die Behauptungen, dass Monsanto wissentlich Beweise für diesen Umstand unterdrückt hat, dass die Exposition durch Roundup ein Non-Hodgkin-Lymphom verursachen kann. 

Richter Karnow entschied, dass auch die meisten Ausführungen der Experten von Herrn Johnson zulässig und ausreichend waren, um sowohl allgemeine als auch spezifische Ursachen zu belegen. Daher wurde Monsantos Antrag abgelehnt, den Fall von Herrn Johnson zu verwerfen. 


Die letzten Vorbereitungen

Die Anträge in limine und die Auswahl der Jury fanden zwischen dem 18. Juni 2018 und dem 28. Juni 2018 statt. In Limine Anträge können von beiden Seiten gestellt werden und haben meistens den Zweck, Beweise auszuklammern, die möglicherweise als eine unfaire Einflussnahme auf die Jury angesehen werden könnten.

Das eigentliche Gerichtsverfahren
Das Gerichtsverfahren vor der Jury zog sich über einen Zeitraum von etwas mehr als acht Wochen. Die Jury beriet fast drei Tage lang, bevor sie zu einem einstimmigen Urteil gegen Monsanto kam. 


Ergebnis:Die Jury sprach Johnson und seiner Familie einen Schadenersatz in Höhe von 33.000.000 US-Dollar zu, und für die arglistigen (malice) Praktiken von Monsanto einen Strafschadenersatz in Höhe von 250.000.000 US-Dollar, der den Monsanto-Konzern künftig davon abhalten soll, diese und ähnliche Praktiken fortzuführen.

Hier ist das Original-Dokument der Jury hinterlegt, und wie sie -EINSTIMMIG- auf die jeweiligen Fragen geantwortet haben, denen sie sich zu stellen hatten.



Behauptung
  "Die Entscheidung hatte nichts mit Wissenschaft zu tun."  

Die Tatsachen:

Monsanto und Bayer haben beide nach dem Gerichtsurteil unisono erklärt, dass die Jury diese einstimmige Entscheidung auf der Grundlage von "emotionalen Appellen" und nicht auf Basis der Wissenschaft getroffen hat. 

Die Leser, die sich in den Monsanto Papers schon ein wenig einen Eindruck verschafft haben, werden Mühe gehabt haben, nicht "emotional" die Faust in der Tasche zu ballen, dass gerade Monsanto das Wort Wissenschaft in diesem Zusammenhang überhaupt erwähnt.

Bei einer so hochkarätigen Jury wäre ein einstimmiges Ergebnis kaum möglich gewesen,  wenn die Wissenschaft nicht auf Seite der Kläger gewesen wäre.
 

Tatsächlich hätte das eigentliche Verfahren sogar gar nicht erst stattgefunden, denn bevor der Kläger überhaupt vor eine Jury treten durfte wurde ja vom Gericht sehr eingehend geprüft, ob die Beweislage hinreichend genug ist, um überhaupt erst einen Geschworenen-Prozess anzustrengen.

Der Fall Johnson zeigte, dass wenn eine Gruppe von unparteiischen Menschen sich die notwendige Zeit nimmt, um alle Beweise sorgfältig zu betrachten, die unvermeidliche Schlussfolgerung ist, dass Roundup Krebs verursacht.  


Darüber hinaus zeigten die Fragen, die von den Mitgliedern der Jury während der Verhandlung gestellt wurden, dass es dem Gremium ausschließlich um Fakten und Beweise ging - alle Fragen konzentrierten sich auf die komplexen sachlichen und wissenschaftlichen Fragen, die gestellt wurden, und die Mitglieder der Jury nahmen während der gesamten Verhandlung umfangreiche Notizen auf. 

Diskutiert wurden unter anderem auch Maus- und Rattenstudien, die in der Vergangenheit sehr wohl ein Krebsrisiko aufgezeigt haben.



Wie viele Experten wurden vor Gericht angehört? 

Für Herrn Johnson (8)


  • Dr. Beate Ritz (Epidemiologie)*
  • Dr. Charles Jameson (Toxikologie)*
  • Dr. Onaopemipo Ofodile (Dermatologie)
  • Dr. Christopher Portier (Toxikologie)
  • Dr. Alfred Neugut (Onkologie, Epidemiologie)
  • Dr. Chadhi Nabhan (Hämatologie, Onkologie)
  • Dr. William R. Sawyer (Toxikologie)
  • Dr. Charles Benbrook (Toxikologie, Agrarökonomie)



Für Monsanto (5)


  • Dr. Jennifer Rider (Epidemiologie)*
  • Dr. Kassim Al-Khatib (Unkrautforschung)
  • Dr. Lorelei Mucci (Epidemiologie)
  • Dr. Warren Foster (Tierärztliche Geburtshilfe und Gynäkologie)
  • Dr. Timothy Kuzel (Hämatologie, Onkologie)


* hat während des Geschworenen-Prozesses Johnson v. Monsanto Co. selbst dann nicht ausgesagt.


Alle Expertenanhörungen sind Wort für Wort in den Gerichtsprotokollen nachzulesen, natürlich auf Englisch und deshalb nicht für alle leicht zugänglich. 
Trotzdem empfiehlt sich die Lektüre für jeden, der sich ernsthaft ein eigenes Bild über die Situation zu Glyphosat verschaffen möchte.


Wie viele Seiten haben die offiziellen Dokumente zu diesem Fall bisher?

Alle Gerichtsdokumente zum Fall Johnson können direkt eingesehen werden, indem man die Website des Superior Court of California County of San Francisco öffnet, und dort die Fallnummer 

CGC-16-550128 

eingibt. Bei mir war leider die Webseite während des Schreibens dieses Berichtes nicht erreichbar, deshalb alternativ: 

Es gibt auch alle zugelassenen Beweise, Exponate, Studien, Protokolle und die Entscheidung auf dieser Seite.



Hat Monsanto/Bayer Berufung eingelegt? 

Letzte Woche reichte Monsanto/Bayer zwei Anträge ein - einen für einen neuen Prozess und einen für ein neues Urteil. 
In beiden Fällen wird beantragt, dass das Urteil aufgehoben oder reduziert werden sollte. 


Richterin Bolanos, das ist dieselbe Richterin, die auch den Johnson-Prozess geleitet hat, wird eine Entscheidung über diese Anträge erlassen. 
Ihr Urteil wird voraussichtlich im Oktober fallen.


Prozessbeobachter wollten sich mir gegenüber nicht auf eine Prognose festlegen, wie das ausgehen kann. Sie meinten, Bolanos hätte durchaus Momente gehabt, die man als "industrieaffin" bezeichnen könne. Auf der anderen Seite sind sehr, sehr viele Augen auf sie und ihre Entscheidung gerichtet. Warten wir es ab.


Wie auch immer das ausgeht, muss man der Familie Johnson wünschen, dass sie möglichst bald zur Ruhe kommt und Dewayne entweder ein weiteres Wunder erlebt, oder in Ruhe ohne grosse Schmerzen im Kreise seiner Lieben versterben darf - sobald seine Zeit gekommen ist.




Bis später.