Freitag, 13. September 2019

"Glyphosat-Urintests sind Betrug!"

"Glyphosat-Urintests sind Betrug!"
DIE NÄCHSTE LOBBY-LÜGE

Eine Spurensuche


Es gibt da ein paar Franzosen, die sind sauer. Richtig sauer.

Ähnlich unserer GTEST-Studie hatten sich letztes Jahr einige zusammengefunden, die wollten wie wir damals wissen, ob sie Glyphosat im Körper haben oder nicht. Sie gaben ihren Urin ab, sendeten ihn ein und warteten auf das Analyse-Ergebnis.

Und oh - "Überraschung!" - natürlich war das Ergebnis aus dem Briefkasten: positiv.

Glyphosat nachgewiesen, in unterschiedlich hoher Dosis. Überall. Realität 2019. 
Auch in Frankreich. Bei Tausenden von Testpersonen.



Während man in Deutschland ein solches Ergebnis häufig mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nimmt und - je nach Höhe und ob Kinder die Betroffenen sind - über Ausweich-Strategien nachdenkt, ist man in Frankreich da ein wenig anders gestrickt. 

Nicht nur, dass man in gelben Westen monatelang für das, an das man glaubt auf die Strasse geht, nein, ein Totalherbizid im Körper ist inakzeptabel (wo sie recht haben) und man geht in guter alter Tradition dagegen vor. Und das laut.

So laut, dass es erste Wirkung zeigt, mehr Menschen testen, das Ergebnis überall dasselbe. Glyphosat im Urin, in den Nieren, überall im Körper, die Chemikalie kennt keine Barriere, nicht einmal die Blut-Hirnschranke hilft. Der Zorn wächst weiter. Und ebenso wächst die Verunsicherung unter den Landwirten. 


"Vielleicht ist da doch etwas dran?" - "Ist es wirklich so harmlos?" - "Ich nehme lieber mal etwas weniger" - bis hin zu: "Ich nehme das nicht mehr".

Die Wut der Franzosen hat historisch sogar noch eine ganz andere Rechtfertigung. Immerhin wurden sie um das vom damaligen Umweltminister Hulot angestrebte Totalverbot von ihren eigenen Parlamentariern regelrecht betrogen.

Zur Erinnerung: Frankreich hatte NEIN gestimmt in der EU im Rahmen der entscheidenden Abstimmung über eine Wiederzulassung - die unser damaliger Bundeslandwirtschaftsminister Christian "Soisserhaltder" Schmidt im Alleingang gegen den erklärten angeblichen Willen der Bundesregierung Merkel in ein Ja umwandelte.

Daraufhin wollte Frankreich unter Investmentbanker und Gelegenheitspräsident Macron und seinem Umweltminister Nicolas Hulot (guter Mann, wirklich) eben ein nationales Verbot durchsetzen. Angeblich. Denn die entscheidende Abstimmung im Parlament sah damals nämlich so aus:



Wahlverhalten FR-Parlament Glyphosat-Verbot
20 Abgeordnete FÜR ein Verbot, 63 DAGEGEN 491 ABWESEND!
Ergebnis: Verbot abgelehnt
Bildquelle: Parlament Frankreich

Längst hätte die chronische Kontamination der Bevölkerung nachhaltig eingedämmt werden können. Aber nein. Sie geht weiter. Messbar. Und das wissen die, die diese Tests angefangen haben. Und jene, die sich ebenfalls freiwillig testen liessen, die wissen das auch. Und sie kämpfen. Mit Erfolg! Der steigende Druck zeigt Wirkung.

Der Agrarminister Guillaume erklärte im Januar 2019, Frankreich würde bis 2021 die Glyphosat-Nutzung um 80% verringern.

Die Umweltbehörde ANSES strebt eigenständige Studien zur krebserzeugenden Wirkung von Glyphosat an (Viel Glück, Bayer...)

Und im August haben rund 20 Bürgermeister in ihren Gemeinden - gegen die Vorgaben der Regierung - Glyphosat verboten. Der Fall geht vor Gericht und soll kommende Woche entschieden werden. 100.000 Menschen stärken dabei den Bürgermeistern mit einer unterzeichneten Petition den Rücken. Bei der Anhörung zum Thema waren rund 300 Zuschauer anwesend. Unter anderem wird auch eine Ausweitung der Grenzen um Wohnhäuser gestritten, aktuell dürfen französische Landwirte im Abstand von gerade mal 10 Metern neben den Häusern sprühen. Wegen der Abdrift natürlich eine berechtigte Sorge der Anwohner.

Es läuft schlecht für die Bauernverbände, die sich vehement gegen diese unaufhaltsame Entwicklung zu einem Totalverbot hin stemmen. 
Und für die Glyphosat-Verkäufer entwickelt sich Frankreich zu einem echten Problem. Und die "unfreiwilligen Pisser", wie sich die Tester selbstironisch nennen tragen mit den Testergebnissen dazu massiv bei...

Nun gingen neulich etwa 20 Landwirte eines Bauernverbandes in ein Krankenhaus und liessen ebenfalls einen Test durchführen. Das Ergebnis bei allen - kein Glyphosat.

In 100% von Tausenden französischen Testpersonen findet man Glyphosat - in rund 20 Bauern, die das Mittel anscheinend sogar selbst ausbringen - nicht. 


Klingt das nicht irgendwie komisch?!

Die Erklärung folgt auf dem Fusse:
Eine Zeitung veröffentlicht ein Interview, in dem ein Herr Marcel Kuntz unter der Überschrift "Ein grossangelegter Betrug bei den Biocheck-Tests?" seine Sichtweise zum besten gibt.

Aha! Wussten wir es doch alle! Die 20 liegen richtig, tausende jedoch falsch. Und - und das ist ein Standardargument Monsantos seit Jahren vollkommen egal, wer oder was wie zu Glyphosat getestet wurde - Die Messmethode ist unpassend!

Er erklärt den unterschiedlichen Ausgang der beiden Untersuchungen damit, dass die Landwirte mit der Chromatographie-Methode getestet haben. Das sei genauer - aber eben teurer. Die vielen Tausend aber haben ein deutsches Testlabor namens Biocheck verwendet, das den ELISA-Test verwende. Das sein ein ungenauer Test, anfällig für Fehlalarm. Und er sei für Wasser zugelassen, aber nicht für Urin validiert.


Und dann folgt noch eine Reihe an Aussagen, die mir .... jetzt Moment mal! ... merkwürdig bekannt vorkommen... IARC, Geld von Anwälten, alle Regulierungsbehörden auf der Welt... Aktivisten... Kampagnen... Ideologische Gründe...

Wer ist eigentlich dieser... Marcel Kuntz?!

Bei dem Interview ist eine Box, die auf seine Biografie zeigt. Darauf geklickt liest man:

"Marcel Kuntz ist Biologe und Forschungsdirektor am CNRS im Labor für Zelluläre Pflanzenphysiologie. Er ist Goldmedaillengewinner der Académie d'Agriculture de France 2017. 
Er ist ausserdem Professor an der Joseph Fourier University in Grenoble.
Er bloggt täglich über GVO: Umwelt, Gesundheit und Politik und ist Autor von Les OGM, l'environnement et la santé (Ellipses Marketing, 2006). Im Februar 2014 veröffentlichte er "GVO, die politische Frage"."

Und weiter: 

"Marcel Kuntz hat keine Einnahmen im Zusammenhang mit der Vermarktung von Produkten. Er spricht in eigenem Namen, seine Worte stehen nicht für die Sichtweise seines Arbeitgebers".

Ach dann. Puh... Jetzt hat sich das doch glatt gelesen wie die 5 Jahre Dauerbeschallung an Monsanto-Propaganda, denen Landwirte und Leute wie ich, die zum Thema recherchieren, leider zwangsweise ausgesetzt sind. Aber wenn der keine Einnahmen aus der Vermarktung von Produkten hat... Dann ist ja alles in bester Ordnung. Oder?!

Lass mal eben googeln, nur zur Sicherheit. Nicht dass da auf den ersten Blick schon was steht, das in eine ganz andere Richtung wie die Kästchen-Info zeigt. Denn irgendwie kommt mir der Name jetzt doch bekannt vor... Goooogelt... uuuund:


OH!!!

Richtig! Der ist doch tatsächlich Teil der Diskreditierungskampagne der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC der WHO gewesen, jener Kampagne, die schon durch Monsanto geplant wurde, lange bevor die IARC das verheerende Urteil "2a wahrscheinlich krebserregend" überhaupt erst entschieden hatte.


Und Autor auf Genetic Literacy Project, einer Frontgruppe bzw einer PR-Agentur, die von Monsanto gemäss den Monsanto Papers bezahlt wurde/wird.


Quelle: Monsanto Papers / Gerichtsunterlagen USA


Wie lustig wäre es doch, wenn er jetzt noch ein Autorenprofil auf ACSH, also dem American Council on Science and Health hätte, nicht wahr? Wie?! Hat er auch!? Nicht mööööööglich.
Ja, aber... da hat er sicher nur etwas zu Pflanzen geschrieben, oder? Nein?
Ach, ein Artikel über Glyphosat. Über die Deutungshoheit zu Informationen rund um die "Wahrheit" über Glyphosat, die er doch bitteschön gerne anders hätte...

Jetzt ergeben seine Aussagen und die Ähnlichkeit zu dem Altbekannten plötzlich Sinn.

Schwamm drüber, dass er hier den Lesern erklärt, dass Lobbyarbeit eine nützliche Tätigkeit in einer Demokratie ist, und explizit den Namen Monsanto erwähnt.

Und lassen wir ausser acht, dass er gemeinsam mit Syngenta, einem weiteren Glyphosat-Hersteller Patente hält, die sich alle irgendwie mit Gentechnik beschäftigen.


Und auf seiner Webseite: Seralini, Monsanto, IARC, Glyphosat... Der Mann hat ein aktives Leben zum Thema! Und sogar im Titel der Webadresse OGM stehen, das die die französische Abkürzung für GVO, also gentechnisch veränderte Organismen.

So langsam ärgere ich mich dann aber doch. Wie kann die Zeitung ein solches Kästchen schreiben und das als "Biografie" bezeichnen, einen unabhängigen Wissenschaftler suggerieren und dabei ALL DIESE VERBINDUNGEN weglassen?! Pennen die Journalisten dort, oder ist das Absicht? Das frage ich Euch...

Fassen wir kurz zusammen:

20 Bauern, die Glyphosat unbedingt am Markt halten wollen, gehen in ein Krankenhaus, und lassen ihren Urin testen (was soll da schon schief gehen?). Als das Ergebnis das exakte Gegenteil ist von dem was tausende andere testen, kommt ein gar nicht so neutraler Lobbyist mit glasklaren Verbindungen zu Monsanto daher, und erzählt in einer Zeitung, die diese Verbindung nicht ausweist allen, dass es wohl an den Tests des deutschen Labors liegt und die Zeitung erdreistet sich und übertitelt das dann auch noch mit dem Wort "BETRUG".

Ich weiss nicht, wo Ihr nach der Lektüre gerade steht, aber mir sieht das eher nach einem PR-Stunt aus... Und sehr alten Diskreditierungsmechanismen, die auch unter der BAYER-Führung offenbar noch vollkommen intakt weiterlaufen. Die Frage hier: Wie wahrscheinlich ist, dass so etwas ohne fortlaufende Finanzierung weiter läuft?

Und ich würde meinen Hintern verwetten, dass das sehr bald auch in Deutschland von den entsprechenden Stellen weiter verwertet wird... Oh. Ich darf ihn wohl behalten, den Hintern.






Die von Susanne Günther (auch als schillipaeppa bekannt) öffentliche Facebook-Gruppe wurde bereits Mitte 2014 gegründet. Sie selbst ist Preisträgerin 2017 des InnoPlanta-Preises,  die sie für ihre "objektive Berichterstattung zur modernen Pflanzenbiotechnologie" und "ihr engagiertes Auftreten in den neuen Medien" würdigten. 


Der erste Kommentator unter ihrem Beitrag ist Marcus HoltkötterBauernverbands-Influencer und Werbefigur in einem PR-Video von Monsantos PR-Arm in Europa, der European Crop Protection Assocaiation, die ausser Monsanto u.a. auch Bayer CropScience, Dow und Syngenta vertreten.

"NGOs und Grüne stützen sich auf gefälschte Untersuchungsergebnisse", schreibt er.


Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis diese "Einschätzung" von ihm in die Öffentl... und während ich das schreibe, werde ich auch schon von meiner eigenen Prognose eingeholt. Verrückt, manchmal...




Ist er nicht ein echter Sympath? Und wie er sachlich auf die Tatsachen eingeht, die ich vorhalte... Die nette Bezeichnung hat er übrigens schon länger für mich auf Lager, eine freundliche Umschreibung für Europas grösste Langzeitstudie von Glyphosat im Humanurin, die ich ehrenamtlich begleite. Und wie man mit der blossen Weitergabe von Kosten Geld verdienen soll, hat er mir schon gefühlte 20 Mal nicht erklären können, da ist er stur. Ist das da am Ende gar so etwas wie eine Drohung?

Egal. Was ich damit aufzeigen will ist, wie solche Märchen wie "Glyphosat-Tests seien Betrug" in die Welt gesetzt werden und viel wichtiger noch - von wem.



Jetzt beschäftigen wir uns doch nochmal ganz sachlich und nüchtern mit den Aussagen zu dem Testverfahren und was an den Anschuldigungen dran sein könnte.


Richtig ist: 


Es besteht beim ELISA-Verfahren eine theoretische Möglichkeit, wie Kuntz behauptet, dass AMPA zu Glyphosat hinzu gezählt wird. Das findet allerdings nur ab einer höheren Dosis statt, als wir in den letzten 3+ Jahren Urin-Tests durchweg gemessen haben. Unterhalb dieser Schwelle ist eine Kreuzreaktion mit AMPA ausgeschlossen - seine Aussage ist für uns in jedem Fall falsch, vermutlich auch für den Löwenanteil wenn nicht gar für alle Franzosen, ich kenne deren Höchstwerte nicht.

Seine Aussage ist somit unzutreffend, und es ist mMn eigentlich nicht zu erwarten, das sein solcher Experte einen solchen Fehler aus Fahrlässigkeit macht. Da dürften seine Verbindungen und sein "Wunsch nach Wahrheit" viel eher die treibende Kraft dahinter sein.


Die Tatsache, dass in den französischen Tests 100% der Menschen positiv getestet worden sind, und bei uns derzeit nur 72,2% der belasteten Proben ist alleine dem Umstand geschuldet, dass WIR in unserer Studie eine Nachweisgrenze von 0,5 ng/ml anwenden, das ist, was der Hersteller von ELISA-Testkits aus den USA für Urin vorsieht.

Eine Nachweisgrenze legt man nach meiner Auskunft anhand Vergleichsmessungen mit anderen Methoden fest. Sie soll das Ergebnis zuverlässig halten, weil man darunter nicht zu 100% sagen kann, dass es stimmt.

Soweit mir das aus Frankreich bekannt ist, wurde diese Nachweisgrenze nicht angesetzt. Das ist tatsächlich ein handwerklicher Fehler dererseits, der allerdings nur eines bewirkt:

Statt 100% werden es auch zwischen 70 und 80% positive Proben sein, wenn man die Ergebnisse von 0,5 und darunter aussiebt. Die Kernaussage des Problems ist so nicht wegzudiskutieren.

Der Hersteller der Testkits empfiehlt weiterhin, positive Ergebnisse mit Chromatografieverfahren wie HPLC, GC/MS und andere zu bestätigen. Sofern es um regulatorische Massnahmen geht. Das ist zwar nicht verpflichtend.

Dennoch haben wir (GTEST) das in den vergangenen 3 Jahren für die Testpersonen kostenfrei wiederholt immer dann gemacht, wenn wir auf ausnehmend hohe oder unplausible Messwerte gestossen sind (z.B. 3 Familienmitglieder niedriger Wert, 1 Familienmitglied hoher Wert). Bei diesen Kontrolluntersuchungen (Doppelbestimmungen) hat sich ziemlich klar ergeben, dass der ELISA-Test ein relativ zuverlässiger Test ist, die Abweichungen waren durchweg zu vernachlässigen.

Ein möglicherweise legitimer Kritikpunkt, konzentrierter Urin sei anfälliger auf veränderte Ergebnisse ist bei uns unzutreffend, das ist eine ganz normale Urin-Einzelabnahme, die getestet wird und ich wage zu bezweifeln, dass das mit den französischen Proben anders abläuft. Auf jeden Fall bei der Mehrheit.

Glyphosat im Urin wurde seit Jahren in mehreren Testläufen mit verschiedenen Methoden festgestellt, teuren, weniger teuren, sowohl von unabhängigen Stellen als auch amtlich, wie z.B. hier vom Umweltbundesamt Deutschland in einer Untersuchung.

Die chronische Kontaminierung der Bevölkerung kann man nicht wegdiskutieren. Sie ist real, und je nach geografischer Lage und Messmethode immer zwischen 60 - 80%, in in den letzten Jahren immer weiter ansteigenden Dosen beim Durchschnitt der Einzelmessungen.

Und zu guter Letzt möchte ich noch jemanden zu Wort kommen lassen, dem Bauer Holti und seine Genossen absolut blindes Vertrauen schenken, bei allem, was sie schreiben.


Hier sprechen sie u.a. über den ELISA Test und Humanurin
"However, in the analytical part of this article, a comparison between values obtained by this ELISA and a GC–MS method was provided revealing a sufficient correlation (R2 of 0.87 for human urine). Thus, the measured values may be considered reliable."

Auf Deutsch, kurz: "Die gemessenen Werte gelten als zuverlässig."


Das, bitteschön, hat niemand Geringeres gesagt als das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).



Das nachdenkliche Schlusswort:

Es gibt Menschen, die möchten Glyphosat weiter auf dem Markt halten. Aus unterschiedlichen Gründen. Nach der Ankündigung der Regierung, Glyphosat bis 2023 vom Markt nehmen zu wollen, sind offenbar die Boxhandschuhe ausgezogen, aber jetzt wird von deren Seiten offenbar nur noch mit blutigen Knöcheln gekämpft. Das merkt man ohnehin schon die letzten Tage auf Twitter, da sind wieder sämtliche Personen aufgetaucht, die schon rund um die Wiederzulassung zu Glyphosat ihre Propaganda verteilt haben.

Für Bayer geht es ums Überleben, wenn wenn die 70% des Monsanto-Umsatzes nach einem Glyphosat-Verbot auch noch wegbrechen, weil das Mittel verboten ist, dann war das mit Sicherheit die grösste Fehlinvestition in der Geschichte.


Bayer - und all seine Jünger - behaupten, das Mittel sei sicher, die Spuren unbedenklich. 


Und dennoch machen sie sich die Mühe, die Messwerte zu diskreditieren.
Mit solchen Mitteln.


Ganz so, als wäre ihnen selbst nicht ganz wohl mit der eigentlichen Wahrheit.



Bis später.










Mittwoch, 4. September 2019

Der Kuschelkurs der EPA - Glyphosat und Dicamba

KKommentar
EPA + Pestizidhersteller = Dreamteam? 
Über Merkwürdigkeiten bei der US-Umweltbehörde EPA
Es ist nun schon 2 mal vorgekommen, dass sich die US-Umweltbehörde EPA dieses Jahr in Sachen Glyphosat merkwürdig verhalten hat. Dabei müssten sie z.B. mit Monsanto gerade bei Glyphosat eigentlich ganz anders umgehen. Aber der Reihe nach...



Der Pilliod-Prozess stand kurz vor einem Urteil, da gibt die EPA eine PRessemitteilung raus, dass Glyphosat harmlos sei. Besser getimed geht es kaum. Unterstützt wurde diese PRessemitteilung durch eine Aussage des US-Landwirtschaftsministeriums.

Vergangene Woche nun kam eine zweite Pressemitteilung, die das noch einmal unterstrich, und die natürlich von den Glyphosatbefürwortern und Teilen den Presse gerne verteilt wurde.

Bemerkenswert bei dieser Vorgehensweise ist allerdings, dass es gar keinen erkennbaren Anlass seitens der Behörde für dieses Vorgehen gibt. 

Denn neue wissenschaftliche Erkenntnisse liegen gar nicht vor. 
Die letzte tatsächliche Risikobewertung der EPA  unter Abteilungsleiter Jess Rowland (Mitleser werden den Herrn schon ganz gut kennen) wurde einkassiert und zurückgenommen. Der Freibrief verschwand nach kürzester Zeit aus dem Netz, was natürlich für Rückfragen sorgten, denn in der EU wurde damals gerade um die Wiederzulassung gerungen. Die Antwort, wieso es zu dieser Rücknahme kam, blieb bis heute aus. 

Ein Hinweis ergibt sich jedoch aus den Monsanto Papers. Dort geben die EPA-Wissenschaftler zu Protokoll, dass sie nach Sichtung aller Studien zum selben Ergebnis kommen wie die IARC. Es bleibt zu vermuten, dass sich diese Kräfte durchgesetzt haben.

Eine tatsächliche Risikobewertung durch die EPA ist eigentlich erst für Ende diesen Jahres angesetzt, und wie die ausgeht, kann man sich beim derzeitigen Zustand der EPA unter Trump und der Führung durch Lobbyisten an einer Hand abzählen. Mitarbeitern der EPA ist es untersagt, das Wort Klimawandel zu verwenden und die, die bei der EPA an dem Thema arbeiteten sind entlassen oder "woanders" untergebracht.

Aber wie gesagt: Diese Einschätzung zu Glyphosat gibt es noch gar nicht, die letzte ist zurückgezogen, der Standpunkt, den die Pressemitteilungen wiedergeben sind also Jahre alt. 

Wieso dann überhaupt? Und wieso jetzt? Kann man nicht wenigstens warten, bis der Freibrief wenigstens auf angeblich "wissenschaftlichen" Beinen steht? Wozu diese wiederholten Eingriffe in die Diskussion?


Eigentlich müsste die EPA ganz anders

Wie aus den Gerichtsunterlagen bekannt wurde gibt es einen bemerkenswerten Umstand, über den viel zu wenig gesprochen wird. Die erste Krebs-Studie, die Monsanto für die erste Zulassung der EPA vorgelegt wurde entstand auf der Basis von wissenschaftlichem Betrug. 

Als das entdeckt wurde, ist die Studie von der EPA für nichtig erklärt worden. Und Monsanto wurde aufgefordert für Ersatz zu sorgen. Der kam nicht, und die EPA hat sich selbst um eine Einschätzung bemüht. Das Ergebnis: Glyphosat ist krebserregend. 

Monsanto schickte einen Wissenschaftler, der durch einen statistischen Trick und erfundene Tumore in der Kontrollgruppe das EPA-Ergebnis entschärfte. Die Maus sollte jetzt im Rahmen der Glyphosat-Krebsprozesse noch einmal kontrolliert werden. Leider sind die Proben "verloren gegangen" 

Ein Teil der damals mit dem Thema betrauten EPA-Wissenschaftler weigerten sich, diese "Veränderung" zu unterzeichnen.

Bis heute hat Monsanto für diese wesentliche Studie keinen Ersatz geliefert, obwohl sie dazu aufgefordert war. Neben den Kosten wird Monsanto sehr genau wissen, wieso sie sich nicht auf eine Studie einlassen: Eine ganze Reihe anderer Tierstudien zeigt ja, dass Glyphosat krebserregend ist.

Weiterhin bemerkenswert ist, dass die Studie, die von der EPA zurückgewiesen wird mangels Alternative bis heute Bestandteil der Einschätzungen aller Regulierungsbehörden ist. Eine Anerkennung des Umstands, dass sie durch wissenschaftlichen Betrug entstand ist dabei nirgends zu finden - im Gegenteil - man scheint die gefälschten Daten sogar als Beleg für die Harmlosigkeit zu verwenden.

Würde die EPA ihre Arbeit machen (dürfen), dann wäre der logische Schritt also, die lange überfällige Krebsstudie endlich einzufordern. Davon ist allerdings in der derzeitigen Konstellation unter der aktuellen US-Regierung nicht der Hauch einer Spur zu sehen. 
Und man dürfte es auch kaum erwarten...

Sogesehen ist schon die Erstzulassung illegal, da wesentliche Bedingungen bis heute nicht erfüllt worden sind und die damals gültigen Anforderungen für eine Zulassung unerfüllt blieben.


Und jetzt bei Dicamba

Monsanto/Bayer hat noch ein ganz anderes Problem, das gerade vor sich hinschwelt. Und das heisst Dicamba. In den USA haben sich die letzten Jahre durch den übermässigen Gebrauch von Glyphosat mehr und mehr resistente Unkräuter gebildet. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, hat man ein eigentlich schon eingemottetes Mittel wieder aus den Regalen geholt. Und das heisst Dicamba.

Monsanto hat dafür vor gar nicht allzulanger Zeit sogar extra für über 1 Milliarde US-Dollar ein neues Werk hingestellt.

Nun ist es leider so, dass die Farmer, die Dicamba einsetzen die Ernten der Nachbarn beschädigen. Die Rede war schon Mitte 2018 von einer halben Million Hektar oder (1.1 Millionen acres) betroffener Fläche.  

Bemühungen der betroffenen Bundesstaaten, die Schäden einzudämmen wurde mit Klagen und konzertierten PR-Aktionen von Monsanto begegnet. Zeitweise war in Teilen der USA das Ausbringen sogar verboten. 

Erste Klagen gegen Monsanto/Bayer wurden von den betroffenen Geschädigten bereits eingebracht, das gibt auf das Glyphosat-Problem selbst nochmal satte Gerichtskosten und Schadenersatz, falls es den Betroffenen gelingt, die Gerichte zu überzeugen. Alles obendrauf zu Lasten Bayer/Monsanto. 

Und gerade, wo es wieder darum geht, geerbten Monsanto-Ärger für Bayer vor Gericht in den Griff zu bekommen, springt die EPA wieder ein:

Während die USA normalerweise echte Statistik-Junkies sind und so ziemlich alles und jeder in irgendeiner Datenbank gespeichert wird, was irgendwie an Zahlenkolonnen gespeichert werden kann entschied sich die EPA ausgerechnet dieses Jahr, die Daten zu den Schadenmeldungen zu Dicamba für dieses Jahr nicht mehr zu erfassen.
Die Vorgehensweise dabei ist ernüchternd einfach: Man fragt einfach aktiv die Daten der Bundesstaaten nicht mehr ab.

Experten gehen in dem einen Jahr von einer Verdopplung auf eine Million Hektar beschädigter Erntefläche, überwiegend auf Nachbargrundstücken aus, erklären jedoch durch die grossen Flutschäden in der Landwirtschaft wird das nie mehr 100%ig nachvollzogen werden können, wie gross die Schäden durch die fortgesetzte Praxis der Arbeit mit Dicamba tatsächlich sein werden. 

Aber es ist klar: Die Geschädigten werden nicht still halten, neues Ungemach für Bayer ist vorprogrammiert. Offenbar laufen erste Klagen und die Erfolgsaussichten stehen nicht schlecht, durch die Vielzahl an Schäden sind die Muster der Herkunft recht deutlich und somit einfach zu belegen. Da reicht ein "Das waren wir nicht" von Monsanto kaum aus.


Die EPA ist seit Trump in einem desolaten Zustand, Budgetkürzungen, Entlassungen von Wissenschaftlern, die ihren Job gemacht haben und Veränderungen wie Entscheidungen, EPA-Wissenschaftler aus Entscheidungsgremien zu verbannen und stattdessen mit Funktionären der Industrie zu ersetzen sind ein Supergau, von dem sich die Behörde länger nicht erholen wird. Selbst wenn Trump abgelöst werden sollte bei der kommenden Wahl, worauf man momentan besser nicht wettet, dass das passiert. Was aus der US-Umweltbehörde EPA wurde geschieht, wenn man einen Lobbyisten, der selbst in der Vergangenen 14 x gegen die Auflagen der EPA geklagt hatte zum Chef der Einrichtung ernennt. Sie wurde systematisch auseinandergenommen. Bis zur Unkenntlichkeit.

Die Regelmässigkeit, in der die EPA zu laufenden Gerichtsverfahren Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Pestizidhersteller wird ist - gelinde gesagt: Auffällig.

Dementsprechend wird es keine Überraschung sein, wenn die EPA zum Jahresende erneut verkündet, wie harmlos Glyphosat ist. Nur hat das mehr mit Wirtschaft als mit Wissenschaft zu tun.

Und wer bis hier noch nicht ganz überzeugt war, dass die EPA auf der Seite der Pestizid-Hersteller ist: 

Was soll da schon schief gehen?!



Bis später.


Weiterführende Links:
- Siehe Text -


  

Sonntag, 9. Juni 2019

Über Pestizid-Rückstände in Trink- und Grundwasser

Nachgehakt
Das Wasser von Gifhorn
...und was man an den Kontrollen verbessern könnte 





Ich las gerade interessiert bei einer Diskussion auf Facebook mit.

Anlass war dieser Bericht in der Augsburger Allgemeinen. Die hatten sehr aktuell berichtet, dass eine Studie in Bayern überdurchschnittlich viele Pestizide im Grund(!!)wasser gefunden hatte.

Glyphosat sogar gleich 47 mal, in 6 Fällen "in problematischen Konzentrationen", das heisst wohl (deutlich?) über Trinkwasser-Grenzwert.

Das hatte natürlich auch an anderen Stellen in Deutschland zu der Frage geführt, wie es denn wohl dort aussieht. Ich selbst hatte ja vor ein paar Wochen auch schon einen Sachstandsbericht beschrieben, bezogen auf die allgemeine Wassersituation in Deutschland.

Da war der die Lage in Bayern allerdings noch nicht bekannt.
Und so fragte man sich eben auch in Gifhorn, wie dort wohl die Lage mit der Wasserqualität sei.


Ein freier Journalist gab dann in den Kommentaren Entwarnung: 
"Ergebnis: Im Grundwasser des Landkreises Gifhorn finden sich weder Nitrat noch Pestizide oder deren Rückstände (Metaboliten)."

Bezogen auf Gifhorn war ich allerdings sehr verwundert, dass da tatsächlich ein Laborbericht für den Wasserversorger vor Ort existiert, bei dem tatsächlich überhaupt keine Rückstände im Trinkwasser aufgefallen waren. Gifhorn liegt in Niedersachsen, und auch dort gab es schon Berichte über massive Pestizidfunde im Grundwasser. 
Und jetzt will man auf einmal tatsächlich gar nichts gefunden haben?

Das wollte ich mir dann doch mal näher ansehen...

Denn tatsächlich deuten die die bekannten Daten rund um Gifhorn alles andere als auf einen solchen Zustand hin.

Wie der NDR einst berichtet hat, genauer Panorama 3 (MEDIATHEK) wurden auch in Niedersachsen alleine in 45% der genommenen Grundwasserproben Pestizid-Rückstände gefunden. Die dort genannte Studie selbst ist heute noch einsehbar, und zwar hier.


Und wie ich hier grob markiere, ist Gifhorn eher in einem der Gebiete, wo diese Studie in der Vergangenheit doch gleich in mehreren Punkten Auffälligkeiten fand - hier ein paar Screenshots. Das rote Quadrat kennzeichnet grob das Einzugsgebiet von Gifhorn, Quelle die Panorama 3-PDF.
















Ich fände es gut, wenn tatsächlich nichts gefunden wurde, wie das Wasserwerk Gifhorn versichert
Aber nach all den Jahren im Thema bin ich vorsichtig geworden. Oft lohnt sich das Hinterfragen auch.

Das erste, das mir bei der Wasseranalyse des Gifhorner Wasserwerks aufgefallen ist, ist das Entnahmedatum:



Da steht: 27.02. also Ende Februar. 

Das ist eine ziemlich unglückliche Wahl, wenn man denn tatsächlich eine Aussage treffen möchte, ob und wie viele der aktuell eingesetzten Pestizide im Wasser sind.
Denn der Termin liegt ungünstig. Den ganzen Winter über hatten die Rückstände im Boden und im Grundwasser Zeit, sich abzubauen, und die typischen Ausbringzeiten in der Landwirtschaft - so war das auch dieses Jahr überall zu beobachten - beginnen erst im März, also nach der Probenentnahme. Das gleiche gilt für Nitrat, das ja die Pflanzen düngen soll.

Wie der SWR damals recherchiert hatte, sind gemäss der Landeswasserversorgung Baden Württemberg die tatsächlichen Spitzen und Überschreitungen - zumindest bei Glyphosat - Mitte Juli. 





Dementsprechend wäre es doch viel aussagekräftiger, wenn man die Trinkwasserproben in diesem Zeitraum entnimmt. Wenn dort dann tatsächlich nichts gefunden wird, dann ist die Entwarnung ehrlich und echt.

Aber so bleiben einfach Zweifel für jeden der mitdenkt.


Mit etwas Internet-Kungfu konnte ich mir die Analyse von 2016 besorgen.
Für diese wurde die Probe am 13.04.2016 genommen.
Auch das ist noch ausserhalb des Zeitraums, bei dem vom SWR die Spitzen dokumentiert wurden. 


Die Fragen, die man jetzt an das Wasserwerk Gifhorn stellen sollte:
1) Welche Filteranlagen werden verwendet? Aktivkohle-Filter? Keine?

2) In welchen Abständen werden diese Wassertests gemacht? Zu welchen Terminen?
3) Wo kann man ältere Prüf-Ergebnisse und das von 2017 und 2018 online einsehen oder kann man diese PDFs erhalten? 
4) Kann man den Testtermin künftig auf Mitte Juli verlegen?
5) Was würde geschehen, wenn sich im Trinkwasser ebenfalls Überschreitungen zeigen würden?

Das sollte am besten jemand vor Ort erledigen.



Jetzt noch etwas, über das ich während der Recherche für diesen Blogbericht gestolpert bin. In dem Video des NDR sieht man einen Landwirt, der ein Fungizid ausbringt.
In einem kurzen Augenblick ist der Name des Mittels auf dem Kanister erkennbar.




Wie schon im letzten Bericht habe ich dann fast schon wie gewohnheitsmässig das Sicherheitsdatenblatt aufgerufen. Und das steht dazu auf Seite 2:




Ist es wirklich DAS, was wir brauchen?



Bis später.





Weiterführende Links:
Sind im Bericht enthalten





Samstag, 25. Mai 2019

Ich hatte Unrecht. Es sind 5!

Eine Frage der Integrität
Über die Luftausbringung von Pestiziden in Deutschland
Die Ausnahmegenehmigung, die es nicht geben sollte

Vor ein paar Tagen hatte ich einen kleinen Disput mit einer (Hobby?)Winzerin.
Ich hatte einen Beitrag eines Weinhändlers geteilt, der sich kritisch über den Gebrauch von Glyphosat in Weinbergen äusserte. Sehr lesenswert, der Beitrag, übrigens.

Sie fand, die Darstellung in dem Bericht würde nicht der Realität in Deutschland entsprechen und postete ein paar schöne Fotos.

Ich rechnete ihr anhand einer industrienahen Studie vor - die eher freundliche Zahlen erwarten lässt - dass allein 2015 in Deutschlands Weinbergen über 1.000.000 Liter reiner Wirkstoff verschwunden sind.

Und dann stellte ich in einem Kommentar fest, dass im Ahrtal etwas per Luft ausgebracht wurde, und ein paar Tage später alles um die Reben gelb und braun wurde. 


Und zeigte ein Foto, der einen Hubschrauber mit Sprüheinrichtung in unguter Nähe zu Wohnhäusern zeigt.
Ich habe genug Integrität um einen möglichen Fehler zuzugeben. 

Nachdem ich diesen Fall näher recherchiert habe stelle ich fest, die zeitliche Übereinstimmung mit dem Absterben des Grüns um die Weinreben ist möglicherweise tatsächlich ein Zufall. 

Es ist tatsächlich gemäss einer amtlichen Mitteilung auch möglich, dass das Glyphosat einfach kurze Zeit davor von Land aus in die Weinberge eingebracht worden ist.

Meine vage Vermutung, da könnte Glyphosat vom Hubschrauber aus versprüht worden sein kann ich leider nicht belegen.
Aber am Ende zählt bei einer vernünftigen Berichterstattung nur eines:
Die Wahrheit. 





Und die Wahrheit ist - ich war nicht gründlich genug. 
Und lag tatsächlich falsch!
Dafür entschuldige mich in aller Form.

Denn: Es wird nicht ein wahrscheinlich krebserregendes Mittel direkt im Umfeld von Wohnhäusern, einer Schule und einem Kindergarten ausgebracht.
Sondern fünf!



Ich wusste, dass die Hubschrauberspritzungen vorab veröffentlicht werden müssen. 
Diese Veröffentlichung habe ich mir beschafft. 





Also tat ich das, war ich vor unserem Disput versäumt hatte. 
Und was ich am besten kann: Ich schaute näher hin.


Und so sieht das tatsächlich aus:

Aus der Luft gespritzt werden im wesentlichen Fungizide,
über dem konventionellen Teil zwischen dem

13.05. - 30.07.2019 in 8 Spritzungen,

über dem Ökö-Teil sind es zwischen dem 


13.05. - 17.07.2019 in 7 Spritzungen.

Bei den konventionellen Anwendungen werden 14 verschiedene Produkte verwendet, beim Ökoteil 2, wenn man den Netzschwefel mitrechnet.

Ich weise gerne nochmals darauf hin, dass an diesen Weinbergen im direkten Umfeld eine Schule und ein Kindergarten steht. Hier ist eine Satellitenaufnahme von nur einem der Weinberge, die aus der Luft behandelt werden. Mir wurde gesagt, es gibt noch weitere der abgebildeten Felder, die ebenfalls sprühend überflogen werden, hier habe ich aber keine genauen Daten, welche das sind. Ich weiss nur - es gibt sie.


Satellitenaufnahme Google Maps / (C) Google, danke!



Schaut man sich nun die einzelnen Produkte und ihre Sicherheitsdatenblätter näher an, ergibt sich ein interessantes Bild - und zwar selbst wenn es tatsächlich keine Ausbringung von Glyphosat  aus der Luft geben sollte. Ob überhaupt Glyphosat angewendet wird, ist keine Frage, das geschieht auf jeden Fall, die Nahaufnahmen, die mir vorliegen sind da glasklar.


Ich verlinke hier also zu den verschiedenen Produkten, die nun bereits ausgebracht sind oder in den kommenden Tagen und Wochen noch ausgebracht werden, gemäss der amtlichen Ankündigung:


1. Delan Pro

In den Sicherheitsdatenblättern steht nicht nur, dass es für Wasserlebewesen akut toxisch mit Langzeiteffekten ist, sondern auch wahrscheinlich krebserregend

Siehe Seite 2, hier: 


2. Vivando

Im Sicherheitsdatenblatt steht dazu:
Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung
Siehe Seite 2, hier 


3. Talendo extra

Im Sicherheitsdatenblatt ist zu finden:
Verursacht schwere Augenreizung, vermutlich krebserregend, kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen, und es ist giftig für Wasserlebewesen, mit langfristiger Wirkung
Siehe ab Seite 1 hier


4. Mildicut

Sicherheitsdatenblatt:
Schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung
Siehe hier, Seite 1/9


5. Luna Experience

Sicherheitsdatenblatt:
Verursacht schwere Augenreizung, kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen, sehr giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung

Sicherheitsdatenblatt auf der Webseite, startet automatischen Download, weshalb ich sie hier nicht verlinken kann. Einstufung jedoch gleich auf der ersten Seite.


6. Enervin

Sicherheitsdatenblatt:
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition). Kann die Organe (Skelettmuskulatur) schädigen nach längerer oder wiederholter Exposition. Sehr giftig für Wasserorganismen. Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung. Staub nicht einatmen.
Siehe Seite 2 UND Seite 16


7. Vinostar

Sicherheitsdatenblatt:
Verursacht schwere Augenreizung, vermutlich krebserregend, sehr giftig für Wasserorganismen, Schädlich für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung
Siehe Seite 2


8. Veriphos 

Sicherheitsdatenblatt:
Mittel und/oder Behälter nicht in Gewässer gelangen lassen.
Seite 2


9. Sercadis

Sicherheitsdatenblatt:
vermutlich krebserregend, sehr giftig für Wasserorganismen, sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung
Seite 2


10. Dynali

Sicherheitsdatenblatt:
sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung
Seite 2


11. Orvego

Sicherheitsdatenblatt:
Gesundheitsschädlich bei Verschlucken, sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung
Seite 2


12. Folpan

Sicherheitsdatenblatt:
Kann allergische Hautreaktionen verursachen, verursacht schwere Augenreizung, vermutlich krebserregend, sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung 
Siehe Seite 2/9


13. Topas


Sicherheitsdatenblatt:
Verursacht schwere Augenreizung, kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen, giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung 
Siehe Seite 2/21


14. Funguran progress (Das ist das Mittel über Öko Ahr)


Sicherheitsdatenblatt:
Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung, verursacht schwere Augenreizung, gesundheitsschädlich beim Einatmen

Sicherheitsdatenblatt auf der Webseite, startet automatischen Download, weshalb ich sie hier nicht verlinken kann. Einstufung jedoch gleich auf der ersten Seite.



FAZIT
Wie auf dem Satellitenfoto zu sehen ist in der Nähe eines besonders grossen Sprühzieles für den Hubschrauber eine Schule und eine Kindertagesstätte. Abgesehen davon sind die gesamten Wohnhäuser umzingelt von weiteren Sprühzielen.

Und zwischen all dem fliesst die Ahr...

Ich will jetzt nicht zählen, wie viele der Produkte giftig und sehr giftig für Wasserorganismen sind. Oder wie viele davon gar mit Langzeitwirkung. Macht Ihr das. Geschenkt.

Aber wenn komplette Teile einer Stadt über zweieinhalb Monate mit Mitteln eingesprüht werden, die das Skelett angreifen können, die Fruchtbarkeit gefährden oder Kinder im Mutterleib, 5 davon wahrscheinlich krebserregend, PLUS das Glyphosat überall - und das dann sogar in direkter Nähe zu einer Schule und einer Kindertagesstätte...

Wer zur Hölle vergibt da Sondergenehmigungen für die Ausbringung aus der Luft, wenn wir wirklich genügend Hinweise aus Südamerika haben, wohin ganz speziell diese Form der Ausbringung führt?!

Es herrscht dort Angst. Aber nicht wegen der Mittel. 

Viele dort werden nicht einmal wissen, was da genau versprüht wird. 

Nein. Ein Arzt, der dort in dem Umfeld einen ungewöhnlichen Anstieg von Krebsfällen festgestellt hat, ist dort weggezogen. Er hatte offenbar Angst um sich und seine Familie.
Und die paar wenigen Leute, die dort Fragen stellen, werden "freundlich gebeten", gefälligst die Fresse zu halten.

Ich wurde wieder einmal erinnert, was ich eigentlich schon immer wusste:
Es ist gut, wenn mich jemand zu einer Sache kritisiert.
Macht das bitte - kontrolliert mich. Hinterfragt mich.
Denn: Was zählt ist die Wahrheit. Sonst nichts.

Und die ist offenbar sehr viel schlimmer, als zunächst angenommen.


Bis später.



Weiterführende Links:
Alle im Text verarbeitet, die Überschriften zu den Produkten sind anklickbar und führen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Texts auf Webseiten der jeweiligen Hersteller, die Seitenzahlen sind mit Links auf die jeweiligen Sicherheitsdatenblätter versehen und verweisen auf die Fundstellen. 


(STAND: 25.05.2019)



Freitag, 3. Mai 2019

Der Fall Pilliod, die EPA, die Presse und Bayers Aktionäre

Einordnung
Im Westen nichts Neues
Was der Pilliod-Fall mit der EPA zu tun hat und wie unsere Medien den Anlegern wesentliche Informationen vorenthalten.

Der Pilliod-Fall wegen Glyphosat und Krebs ist der dritte laufende Verfahren gegen Monsanto/Bayer und er läuft für Bayer gelinde gesagt - schlecht.

Neue Beweise, unruhige Monsanto-Mitarbeiter in Video-Verhören, eine extreme Dichte an Beweisen und starke Experten der Anklage machen eine dritte Verurteilung wahrscheinlich.
Wenn nicht ein Wunder geschieht...






Und just genau an DEM Tag, an dem der Pilliod-Fall an die Verteidigung übergeht
ab dem Monsantos Anwaltsarmee die Beweise für Unschuld vorlegen will, just genau an dem Tag gibt es ein Statement der US-Umweltbehörde EPA, von Glyphosat würde kein Risiko für die Bevölkerung ausgehen. 

Das Ehepaar Pilliod haben nach Jahren intensiver Anwendung von Roundup mit dem Non-Hodkin Lymphom beide einen seltenen Krebs entwickelt, den Studien mit der Glyphosat-Anwendung in Verbindung bringen. Beide. Selten. Zufälle gibt's...

Für jene, die sich das Glyphosat-Thema schon eine Weile anschauen ist das mit der EPA zwangsläufig ein Deja-Vu. 


Schon mehr als einmal gab es eine merkwürdige Entscheidung der EPA in Sachen Glyphosat in den letzten Jahren. 

Damals wurde klar, dass es einen Abteilungsleiter namens Jess Rowland gab, der nicht nur entgegen aller Stimmen der Wissenschaftler Glyphosat als harmlos einstufte, sondern sogar aktiv in den europäischen Wiederzulassungsprozess einwirkte, indem er in einer Videokonferenz einer relevanten Mausstudie einen Virus andichtete, der die Ergebnisse verfälscht habe. Die EFSA kaufte im das ab. 

Danach ging Rowland in den Ruhestand und bekam gleich zwei Beraterposten bei Tochterfirmen bei Monsanto.

Eine an Krebs erkrankte EPA-Mitarbeiterin schrieb an Jess Rowland diesen eindringlichen Brief. 

Der obige Brief wurde von einer an Krebs erkrankten Mitarbeiterin der EPA gesendet.
Interessant ist die Aussage von dem "Bonus". Die EPA-Behörde vergibt keine Boni, wie sollten die auch bemessen sein. Woher kam also der "Bonus"?


Also fragt man sich: Was war es dieses Mal? 
Wieder ein korrupter Abteilungsleiter? 
Oder ist es einfach Trumps Grusel-Kabinett?

Immerhin hat sie der EPA einen Lobbyisten vorgesetzt, der die Behörde in der Vergangenheit schon 14 x im Sinne von Kunden verklagt hat, die mit der Regulierung ihrer (Umwelt)verschmutzung nicht einverstanden waren - der Kosten wegen, die saubere Luft oder Wasser nicht der Allgemeinheit - sondern - welch Frechheit - dem Verursacher anlasten würden.


In der EPA dürfen die Mitarbeiter das Wort "Klimawandel" nicht verwenden

Entgegen der Warnungen der EPA-Wissenschaftler hatte Pruitt Chlorpyrifos wieder aus der Mottenkiste der Geschichte geholt, eine Entscheidung, die von einem Gericht wieder einkassiert wurde.
Die Wissenschaftsboards wurden von lästigen unabhängigen bei der Behörde angestellten Wissenschaftler befreit und deren Stellen in den Gremien ebenfalls von Lobbyisten ersetzt. 

Entdeckt Ihr das Muster?

Schaut man sich die Erklärung direkt bei der EPA an dann fällt einem eines auf:
Direkt unter dieser "hochwissenschaftlichen" Erklärung ohne weitere Erkenntnisse steht der Agrarminister mit einem Zitat, das 1:1 von Monsanto kommt - und jetzt übrigens genauso von Bayer übernommen wurde.

Ich übersetze das mal sinngemäss:
"Wir müssen ab 2050 zehn Milliarden Menschen ernähren, ohne Glyphosat werden wir alle sterben!"


Leute, jetzt haben wir ein Problem!
Der Mehrertrag durch Glyphosat wird für ganz Europa auf 5% beziffert. [Schmitz, Garvert]
Wir werden also alle zwangsläufig verhungern. 

Wohl dem von uns, der das altershalber nicht mehr durchmachen muss. Oder weil ihn idealerweise der Krebs davor dahinrafft. Eine runde Sache, das Round-Up.


Was die EPA-Erklärung nicht beschreibt ist ein offizielles Risk-Assessment.
Die tatsächliche Neueinschätzung soll nicht vor Ende des Jahres erfolgen. 

Mit anderen Worten - die EPA hat einfach mal wieder zwischendurch "Hallo" sagen wollen? 
Qui bono? Wem hilft's? Pünktlich zum Prozess? 

Das Wunder für Bayer? 

Ja. Nein. Nicht wirklich - wie es aussieht hat die Jury das goldrichtig eingeordnet - denn sie kennen ja durch die lange unrühmliche Geschichte der EPA zum Thema Glyphosat. 

Schon 1985 ordnete die EPA Glyphosat als krebserregend ein. 



Die ersten von Monsanto übersandten Daten waren gefälscht und wurden im Rahmen des IBT-Skandals nach Überprüfung der Studie von der EPA zurückgewiesen. 

Das alles weiss die Jury. 
Genauso wie sie den Umstand kennt, dass die EPA bei der letzten gültigen Einschätzung ihre eigenen Regularien und Protokolle nicht eingehalten hat, denn sonst wären sie da schon auf den gleichen Schluss wie das IARC gekommen. 
Mindestens "wahrscheinlich krebserregend". Mindestens...

Und das hat die Jury von just dem Mann erfahren, der diese Protokolle geschrieben hat.

Und sie wissen auch, dass die EPA einen Risikobericht - ebenfalls hervorragend getimed - während der Querelen beim europäischen Wiederzulassungsprozess hochgeladen hatte, der dann aus mysteriösen Umständen wieder zurückgenommen wurde.
Ich wäre nicht ich, wenn ich Euch diesen Bericht nicht zugänglich machen könnte.
Hier ist er. Achtet darauf, WER der Absender nach FROM: ist... Genau!...


Die Einschätzung der EPA ist genauso fragwürdig wie alle anderen Entscheidungen pro Glyphosat seitens der EPA in der Vergangenheit.


Die Veröffentlichung hat an der Börse für einen Anstieg der gebeutelten Bayer-Aktie gesorgt. Und die deutsche Presse hat sich für diesen Propaganda-Coup einspannen lassen.
Während der Original-Bericht bei Reuters noch Gegenstimmen zulässt, gibt es bei den deutschen österreicher und schweizerischen - keine. 

Sowohl die Anleger als auch die Landwirte lehnen sich also jetzt entspannt zurück.
Kaufen wieder Aktien. Sprühen wieder Gift. Schliesslich ist es eine Behörde, die das sagt und schliesslich sogar aus den USA.
Aus der Presse erfahren sie - dass es wieder einen Freibrief durch eine Regulierungbehörde gab - was nicht stimmt. Die Presseinformation hatte keinen Nachrichtenwert.

Vermutlich bleiben Anleger und Landwirte so lange getäuscht, bis auch der dritte Fall für Bayer verloren geht. Und dann von der selben Presse wieder zu erfahren, es sei ja ein Laiengericht gewesen, das diese Entscheidung traf.
Mit dem Urteil wird dann der Kurs erneut einbrechen. Oder die Anleger sind bis dahin schon so abgestumpft, dass sie auch ein drittes Urteil nicht mehr beeindruckt. 

Wir werden sehen.
Sie haben ja noch 13.397 weitere Chancen. So viele Klagen sind es aktuell.

Aber irgendwann müssen sie sich ja mal fragen, wie es zu den Entscheidungen kommt.
Bis später.


Weiterführende Links:
Alle Quellen sind im Text verarbeitet, bitte beachtet, dass mangels Berichterstattung in Deutschland einige der Themen nur auf Englisch verfügbar ist.