Donnerstag, 19. Mai 2016

Glyphosat - ein Gedankenspiel

GedanKKenspiel
Das Glyphosat-1x1 - leichter, als man denkt?
Das Wirrwarr rund um die Wiederzulassung - vielleicht entschlüsselt?


Wenn man in den letzten Wochen online mit Befürwortern (und/oder bezahlten Schreibern) zu Glyphosat diskutiert hat, dann kam erstaunlich oft die Gegenrede, dass hat doch nichts mit Monsanto zu tun. Die seien ja schliesslich nicht die einzigen, die Glyphosat herstellen.

Was diese Leute dabei vergessen vielleicht sind zunächst zwei Dinge... 

Erstens ist der Vorsitzende der Glyphosate Task Force mit Richard Garnett (vgl zweiter Absatz) 
ein Monsanto-Mann (vgl Emailanschrift). 

Und zweitens hat sich die deutsche Geschäftsführerin von Monsanto als Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat doch recht deutlich überall in die Diskussion eingemischt und die Presse mit Informationen versorgt. Darüber hatte ich hier ja schon berichtet (Heisse Luft im Presseportal). 


Ich erkläre jetzt mal, wieso ich denke, dass Monsanto tatsächlich einen massiven und wohl auch federführenden Anteil an allem hatte, was wir in den letzten Monaten an Kampf und Krampf zum Thema Glyphosat erlebt haben...





Man kann jetzt nicht unbedingt behaupten, dass Monsanto auf eine ausnehmend glorreiche Historie von Wahrheit und Moral zurückblicken kann. Seit Agent Orange gab es doch einige Fälle, die vertuscht, geschönt und unterdrückt worden sind. Hier gibt es ein recht interessantes Video dazu... 

Es gibt eine Menge Berichte von Wissenschaftlern und Journalisten, die Monsanto oder eines der Produkte kritisiert haben und daraufhin ihren Job verloren haben, diskreditiert wurden und deren Karrieren ruiniert worden sind.

Forschungsgelder oder Fördergelder wurden aus heiterem Himmel gestrichen. 
Gelder, die wohlgemerkt eigentlich von staatlichen Stellen gekommen wären, nicht von Monsanto selbst. 

Es gibt aufgedeckte Schriftwechsel von vermeintlich unabhängigen Akademikern, die Monsanto allenthalben verteidigen. Und die belegen, dass hintenrum sehr wohl eine solide Verbindung bestand und teilweise sogar Gelder geflossen sind.

Und es gibt Berichte, dass selbst in Onlinemedien bezahlte Schreiber nichts anderes zu tun haben, als die Meinung der Bevölkerung zu beeinflussen. 


Aber lassen wir das alles einmal beiseite, konzentrieren wir uns auf das Thema Glyphosat.

Richtig ist, dass Monsantos Patent zu Glyphosat (zumindest das als Pflanzenschutzmittel) ausgelaufen ist und deshalb auch andere Hersteller dieses billig herzustellende Mittel produzieren und mit sehr guten Margen verkaufen können. Das heisst natürlich nicht, dass Monsanto das nicht auch tut, im Gegenteil, sie machen damit ganz gute Umsätze.

Trotzdem gibt es einen Unterschied, der Monsanto von den anderen Herstellern wesentlich unterscheidet und der gerade Monsanto dazu bringen könnte, sich besonders um eine Wiederzulassung in Europa zu bemühen. 

Um den Unterschied zu erläutern lade ich einmal kurz zu einem Gedankenspiel ein:

Stellen wir uns einmal kurz vor, ab morgen wäre der Verkauf von Glyphosat überall auf der Welt verboten. Nirgends mehr dürfte dieses Mittel verkauft werden...


Würde Monsanto das überleben? 

Vielleicht. Möglich. Wir wissen es nicht.

Was wir aber sicher wissen ist, dass sie aufgrund des Geredes um Glyphosat gerade einen leichten Umsatzrückgang haben. Unter anderem, weil einige Baumärkte das Zeug aus den Regalen verbannt haben. Ein kleiner Einbruch. Klitzeklein... 

Und Goldman Sachs stellt die Monsanto-Aktie auf "verkaufen".

Wenn man eine Aktiengesellschaft leitet, dann gerät man da leise in Panik. 
Denn so etwas kann sich unglaublich schnell verselbständigen. 

Und – wenn man nun mal genauer in der Presse schaut, dann sieht man schon erste Anzeichen. Bayer und BASF wollen Monsanto kaufen, steht da seit einigen Tagen zu lesen. 

Ich interpretiere: Da reicht also schon ein kleiner Einbruch, und schon kreist die Konkurrenz, wie Geier um ein waidwundes Tier...

Aber gut. Irgendwo hiess es mal in einer Dokumentation, Monsanto soll so viel freies Geld haben wie manche afrikanischen Staaten nicht in einem Jahr als Staatshaushalt haben. 

Gehen wir also mal davon aus, sie verkraften diesen herben Schlag durch das imaginäre Verkaufsverbot.

Und worauf fallen sie dann zurück? Auf ihr zweites dickes Standbein.
Gentechnisch verändertes Saatgut.

Saatgut, das so gentechnisch verändert wurde, dass es zusammen mit Glyphosat funktioniert.Also dem Glyphosat, das ja dann nicht mehr verkauft werden darf. 

Und dann!? 
Welchen Grund gibt es für die Farmer dann noch, das Saatgut zu kaufen? 
Die Knebelverträge, die die Farmer diesbezüglich kritisieren? 
Oder der vertragliche Passus, dass der Bauer diese Saat nicht vermehren und etwaige Überstände nicht in das nächste Jahr hinüber nehmen darf?

Wer würde diese Saat dann noch kaufen?! 

Und nun stehen wir mit dem Wegfall des zweiten Standbeines wirklich vor der Frage, ob Monsanto auch das überleben würde. 
Und das ist es, was Monsanto so sehr von den anderen unterscheidet. 
Während Firmen wie BASF und BAYER ein sehr weit gefächertes Produkt-Portfolio haben, das über diese Kombination hinaus geht, steht Monsanto vor allem auf diesen beiden Beinen.

Und deshalb liegt für mich die Vermutung nahe, dass was wir hier eigentlich erleben gar nicht ein wissenschaftlicher Disput über die Frage, ob ein Mittel krebserregend ist oder nicht.

Und wir sehen hier auch keinen politischen Kampf zwischen den blöden Grünen, den bösen NGOs und den Bauern, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Wer weiss, vielleicht mag das vielleicht sogar ein bisschen so eingerichtet worden sein. Damit die Anwender diesen lästigen Leuten gar nicht erst näher zuhören… 

Nein! 
Was wir hier eigentlich sehen ist der Überlebenskampf eines Industriegiganten, dem sein komplettes Geschäftsmodell gerade zusammenfällt wie ein Kartenhaus. 

Kampf. Krieg.
Und Kampf und Krieg sind nie fair. 

Wenn Kampf und Krieg fair wäre, dann wären in Afghanistan, Irak, Syrien, Jemen nicht 90% der Todesopfer Zivilisten. Frauen…. Kinder… 

Und so braucht man sich denn doch eigentlich gar nicht wundern, dass bei dem Prozess einer Wiederzulassung merkwürdige Dinge passieren.

Sogar staatlichen Stellen wie das deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung halfen tatkräftig Richtung Wiederzulassung mit. 

Mit fragwürdigen Einschätzungen (vgl Gutachten Dr. Clausnig und Prof.Dr. Greiser), die zu allem Überfluss gar nicht von der Behörde selbst geschrieben worden sind, sondern von der Glyphosate Task Force (und... wer war da nochmal Chef?)

Dann waren da eine ganze Menge an Zeitungsberichten, die mir persönlich den Anschein machten, als seien sie von Monsanto selbst diktiert. 

Besonders auffällig erschien mir ein Wandel zu positiver Berichterstattung für das Mittel und eine immer herabwürdigendere Wertung der Kritiker, je näher die Abstimmung über die Wiederzulassung kam. Nachdem zu Beginn noch einigermassen neutral berichtet wurde fanden sich auf einmal bei unglaublich vielen Berichten das Wörtchen "umstritten". 

Während über die eigentlich zurecht umstrittene Risikobewertung, die für mich eigentlich sogar einer der grössten Skandale des Jahres ist - nicht ein Sterbenswörtchen kam.


Politiker haben teilweise so gesprochen, als hätten sie es den Abend zuvor recht angenehm mit einem Lobbyisten gehabt. Und wirtschaftliche Verknüpfungen scheinen zu reichen bis in den Bundestag. Ich würde zu gerne wissen, wer denn den Text geschrieben hat, den sie zuweilen ablesen. Denn da sind doch erstaunliche Parallelen zu manchen Formulierungen vorhanden...

Und dann - der Knaller:
2 Tage vor der Abstimmung in Brüssel über eine Wiederzulassung bescheinigt ein Teilgremium der WHO dem Mittel auf einmal Unbedenklichkeit. Und die Presse versteht teilweise nicht einmal in ihren Überschriften (oder vielleicht ja doch?), dass das nicht von der WHO selbst kam... Aber - h
ervorragend getimed, Respekt! 
Wäre da nicht der Umstand, dass entscheidene Leute aus dem Gremium doch sehr direkt wirtschaftlich verflochten mit Monsanto und CropLife sind.


Nein. Der fair war und ist der Kampf nicht.


Und wenn man ein bisschen genauer hinschaut, dann haben wir doch gewiss auch längst unter uns die ersten zivilen Opfer. Auch wenn der Nachweis schwierig sein wird.

Aber das ist das Gute daran:
Zwischenzeitlich arbeiten durch die Kontroverse so viele unabhängige Köpfe daran, dass es bei allen Anzeichen, die nun schon seit Jahren für eine gesundheitliche Gefährdung vorhanden sind nur noch eine Frage der Zeit ist, bis diese Zusammenhänge bewiesen werden.

Und dann mag der Konzern Monsanto aus oben genannten Gründen vielleicht tatsächlich ein unrühmlicher Holperstein der Geschichte werden.

Wenn er nicht zuvor von Bayer gekauft wird. 
Ob die den belasteten Markennamen dann noch weiterführen? Fraglich. 
Aber dann können wir nur hoffen und bangen, dass der Käufer sich endlich wieder an die ehrenhaften Werte zurück erinnert, die der Gründer Friedrich Bayer einst verkörpert haben soll. Doch auch Bayers Wandel in eine ähnliche Richtung hat leider schon längst begonnen.  


Für jetzt bleibt leider allerdings nur zu sagen:
"to be continued..."



Bis später.


Weiterführende Links -habe ich diesmal alle im Text untergebracht-
 


1 Kommentar:

Rita Trottnow hat gesagt…

Wieder mal auf den Punkt gebracht :)

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