Sonntag, 6. Oktober 2019

Danke Willi - Die PR-Aktion Grüne Kreuze

Bedankt
DANKE, WILLI!
Wie PR-Bauer Willi eine echtes Problem für uns löste

Als ich neulich in der Bodenseeregion an einer der vielen Apfelplantagen vorbeifuhr entdeckte ich endlich "mein eigenes" erstes grünes Kreuz. 
Bis dahin hatte ich nur davon gelesen. Aber da stand es: Direkt zur Strasse hin hatte der Apfelbauer ein sehr gut sichtbares neongrünes Kreuz aufgestellt. 



Wie verschiedene Quellen recht eindeutig zuordnen handelt es sich dabei um eine Aktion, die von Landwirt Willi Kremer-Schillings - besser bekannt als Agrar-Blogger "Bauer Willi" - ins Leben gerufen wurde. Und dieser Post hier dürfte den Anfang gemacht haben.



Was wollen denn die Landwirte damit zum Ausdruck bringen?

Wofür stehen die grünen Kreuze? 


Bauer Willi selbst schreibt dazu: 
"Wir werden den Journalisten sagen, dass es Mahn-Kreuze sind, die auf die Folgen des Agrar-Paket hinweisen". Angekommen.


Der niedersächsische Bauernverband präzisiert: "Vor allem die Pläne zum Insektenschutz stießen bei vielen Bauern auf wenig Gegenliebe, heißt es vom Verband. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist das Verbot des Unkrautvernichters Glyphosat Ende 2023.


Für den Bauernverband Heilbronn-Ludwigsburg e.V. ist es gleich das ganze Paket, Insektenschutz, Tierwohl-Label, Düngepaket, und das Volksbegehren Artenschutz - Rettet die Bienen, das benennen sie als Gründe, wieso sie die Kreuze setzen.


Ähnlich sieht es beim Bauernverband Uecker-Randow aus, auch hier wird die Aktion mitgetragen, u.a. stören sie sich an Verboten von Pflanzenschutzmitteln entlang von Gewässern und dem Glyphosatverbot.


Landwirt Niemeyer pflockt das Kreuz in den Boden mit dem Hinweis, dass die in Lebensmitteln gefundenen Glyphosat-Rückstände ja von den Spülmitteln kämen, sein Glyphosat würde sich restlos abbauen und die Lebewesen im Boden nicht beeinträchtigen



Ich könnte das noch endlos fortführen und werde auch noch ein paar Berichte am Ende verlinken, aber in der Zusammenfassung rammen die Landwirte den Berichten zufolge wegen dem jüngst beschlossenen Agrarpaket vor allem wegen dem Glyphosatverbot, den Auflagen zum Insektenschutz und dem Versuch, der notorischen Überschreitung der Nitratgrenzwerte im Boden über das "Güllepaket" irgendwie Herr zu werden in den geschundenen Ackerboden.


Das Problem, das Willi für uns löst

In unserer Community bin ich zigfach auf den Irrglauben gestossen, dass regional einkaufen die Glyphosat-Werte in unserer Studie nach unten beeinflussen würde.

"Wieso habe ich so einen hohen Wert an Glyphosat in meinem Körper, ich kaufe doch immer regional ein?" So und so ähnlich werde ich wiederholt angeschrieben.

Und dann muss ich den Probanden erklären, dass die Abgrenzung nicht entlang regional oder international, sondern konventionell (oder traditionell, wie Bauer Willi das liebevoll nennt) und Biolandbau verläuft. Das ist jetzt natürlich unglaublich schwer für den Verbraucher auseinanderzuhalten und dies noch mehr, weil leider einige der Landwirtskollegen offenbar unehrlich bleiben auf Nachfrage, ob sie Glyphosat einsetzen. Oder sich ausschweigen.

Unvergessen blieb mir der Dialog einer Mutter, deren Kind hohe Werte des Totalherbizids nachgewiesen hatte, die einen Bauer mit freundlicher Neugierde fragte, ob er Glyphosat einsetze, der sein Feld direkt angrenzend an ihr Grundstück hatte.

Die lapidare Antwort: "Das kommt darauf an, wer fragt..." 



Ich muss im Rahmen einer fairen Berichterstattung darauf hinweisen, dass Bauer Willi erst gestern schrieb "In den digitalen Medien wird derzeit versucht, die grünen Kreuze auf andere Zwecke zu übertragen". Er distanziere sich davon. Und die obigen Vorgaben gegen Glyphosat und Gülle hat er tatsächlich nicht explizit ausgegeben, als er seine Idee veröffentlichte. Es könnte also sein, dass ihm das gerade an einigen Stellen aus dem Ruder läuft. Das halten wir ihm also mal zugute.

Aber eigentlich spielt das keine Rolle, denn nicht die Intention der Aktion bildet die Realität ab, sondern die Aussagen der Bauernverbände und deren Mitglieder vor Ort.


Deshalb sage ich "Danke, Willi!":

Denn jetzt markieren gerade exakt jene Landwirte ihre Felder und Höfe mit gut sichtbaren grünen Kreuzen, die FÜR den Einsatz von Glyphosat stehen, die GEGEN eine Reduzierung der Nitratwerte bzw deren Massnahmen eintreten, und die GEGEN Insektenschutz in der vorgeschlagenen Form sind und GEGEN den Bienenschutz. 

Das heisst für die Leute, die gerne regional einkaufen möchten, aber nicht in Schlagnähe einen Bioland-, Naturland oder Demeterbetrieb unmittelbar vor Ort haben, wissen jetzt zumindest, wo sie für ihre Zwecke und mit ihrer Überzeugung gar nicht erst auf den Hof zu fahren brauchen. Viel einfacher hätte man es uns nicht machen können. DANKE!


Was ich an der durch die Aktion sichtbar gewordenen Haltung ausserdem kritisiere:

Abgesehen davon sind das auch just jene Landwirte, die bei einer Verweigerung zu Veränderungen der aktuellen Praxis durchaus entscheidend dazu beitragen, dass in Kürze jeder, der in Deutschland Steuern bezahlt die Folgen der Nitratproblematik mittragen wird, und zwar über ein Zwangsgeld in Höhe von 850.000 Euro. Pro Tag. Die Tagesschau berichteteAndere Quellen sprechen sogar von 860.000 Euro pro Tag.

Und dass man bei einem Rückgang von bis zu 70% der Insekten, den jeder selbst erlebt und bei der Tatsache, dass aktuell jedes siebte Bienenvolk nicht mehr über den Winter kommt, was zwischen 20 - 25 Mio Euro Schaden pro Jahr alleine in Deutschland bedeutet überhaupt noch über einen Beitrag auch aus der Landwirtschaft diskutieren muss ist mir schleierhaft. 






Und so mag es sein, dass diese grünen Kreuze für den einen oder anderen Betrieb ja tatsächlich nicht Ausdruck von Zusammenhalt, gemeinsamer Graswurzelbewegung (eine lustige Bezeichnung für Glyphosatanwender?) mit offensichtlich viel Spass bei den Aktionen bleiben, sondern eher zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Denn eigentlich ist es weder aus Verbrauchersicht noch aus Sicht der Gesellschaft zumutbar, dass wir jene über die Subventionen hinaus unterstützen, die mit ihrem Kreuz signalisieren, dass die ohnehin viel zu laschen Veränderungen im Agrarpaket rundweg ablehnen. Für effektive Kontrollen der Umsetzung ist ohnehin zu wenig Personal bei den Behörden da, hier müssen alle mitziehen.

Oder eben nicht. Aber dann darf man weder auf den Verbraucher der sich abkehrt schimpfen, noch andere für sein Unglück verantwortlich machen.


Bis sp... MOMENT! Augenblick...

Da ist noch was. Eine Kleinigkeit. Ein Bonus, sozusagen.
Etwas, über das man gelegentlich stolpert, wenn man sorgfältig recherchiert...



Wer ist das eigentlich, dieser Bauer Willi?!
- TEIL 1 - 

Ich persönlich erinnere mich noch ziemlich genau, wann ich ihm das erste Mal im Netz begegnet bin, das war ein Brandbrief von ihm, in dem er sich uns Verbraucher zur Brust nimmt und  ordentlich ins Gewissen redet. Das war Anfang 2015.

Da ich mich zu dem Zeitpunkt schon intensiv mit dem Thema Lebensmittelsicherheit beschäftigte und die Missstände immer offensichtlicher wurden, war ER es, der mir klar gemacht hat: Der Dialog mit den Landwirten ist wichtiger denn je. Denn die unsichtbare Kluft zwischen den Verbrauchern und Landwirten war tief, die Gründe dafür kaum zu erkennen und wenn man schlagkräftige Massnahmen vereinbaren will, wie das besser wird, dann muss man zu allererst miteinander reden.

Leider war er für mich zu dem Zeitpunkt irgendwie nicht erreichbar, gleich einem scheuen Reh war lange Zeit nicht mehr von ihm zu erfahren als der Name "Bauer Willi" und ich dachte mir, das wird wohl der unerwartete Erfolg bei der Reichweite seines Briefes sein, der ihm selbst schon fast unheimlich vorgekommen sein mag.

Ich für mich traf mich dennoch mit Milchbauern auf ihren Veranstaltungen und ging in sehr viele Einzelgespräche. So gesehen hat er mich erreicht. Und beeindruckt.

Wie das heute aussieht, ob und welche Vorbehalte sich zwischenzeitlich ergeben haben und ob ich seine Einladung, die er gestern auf meiner Facebook-Pinnwand ausgesprochen habe vielleicht annehme erkläre ich hier, noch heute gegen später.

Sorry für den Cliffhanger, aber der Text ist ohnehin zu lang.
Und was kommt zu wichtig, irgendwo tief unten im Blog vergraben zu werden.



Weiterführende Links:
Die oben erwähnten Berichte zu den grünen Kreuzen verlinke ich später hier noch, wenn der zweite Text online ist, Schreibfehler korrigiere ich ebenfalls später, falls Ihr einen findet, schreibt mir auf den üblichen Kanälen :) Das hilft.
  


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