Montag, 12. Oktober 2015

Über eine Viertelmillion Menschen laufen in Berlin gegen TTIP

Presseschau
Die grösste Unverschämtheit 2015?
Was wir aus den Pressereaktionen lernen sollten



Ich bin sauer. Und zwar ziemlich.
Und das obwohl mich die ersten Meldungen wirklich gefreut haben, was die Teilnehmerzahlen der aktuellen TTIP-Demonstration am vergangenen Wochenende in Berlin anbetrifft. Die Bilder sind mehr als eindrucksvoll. 






Wer dem Blog schon ein wenig länger folgt, der erinnert, dass ich selbst in München bei der ersten grösseren Demo mitgelaufen bin. 


Aus der Überzeugung heraus, dass wir nicht zuletzt in Bezug auf unsere Lebensmittelsicherheit einen sehr grossen Nachteil erleben werden, wenn diese Vereinbarung wie geplant zustande kommt. 

Das ist aber nicht der einzige Grund, die Geschichte vergleichbarer Verträge wie u.a. die Nafta haben gezeigt, dass die Auswirkungen daraus weder gewünscht, noch sozial oder sinnvoll sind - sondern vielmehr verheerend. Der Lohn in Detroit ist von runden 20 Dollar die Stunde auf unter 10 Dollar gesunken, und die "neuen" Arbeitsplätze in Mexiko werden mit ein paar Dollar-Cent bezahlt, die denen aber auch nicht zum Leben reichen.

Australien, Kanada. Mexiko, Uruguay haben alle gerade mehrere hundert Millionen Schadensersatz u.a. an Phillip Morris zu überweisen, weil der Tabakkonzern über die Schiedsgerichte geltend gemacht hat, dass die aufgedruckten Abschreckungsbildern auf den Zigaretten nachteilig für den Gewinn waren.
Wollen wir so einen Scheiss wirklich auch bei uns zulassen?! Wirklich?!


Bei uns wird glasklar damit gerechnet, dass wir einen Verlust von hundertausenden von Arbeitsplätze für Europa zu erwarten haben und einen Anstieg der Billiglohn-Jobs. Beides nichts, was unser Land besser, sicherer macht oder voran bringt.

Und trotzdem treibt unsere Regierung diesen Unsinn nicht nur voran, sondern unternimmt auch nichts gegen die Intransparenz, die diesem Verhandlungsprozess schon von vorneherein einherging. Und der immer noch weiter andauert. Selbst gegen die Proteste von Bundestagsabgeordneten.

Und aktuell kommt nun heraus, dass die Bundesregierung, allen voran unser Sozial-Siggi Steuergelder dafür ausgibt, ganzseitige Werbeanzeigen in den grossen Zeitungen pro TTIP zu schalten. Ich zweifle, dass das rechtmässig geschieht. Ein kleines Ärgernis für sich.


Aber der richtige Dampfhammer kam diesmal aus dem "Der Spiegel."

„Doch bei den TTIP-Protesten sind die Rechten nicht Mitläufer, sondern heimliche Anführer…Die Kampagne gegen den Freihandel ist wie auf dem braunen Mist gewachsen…Wer nichts Schlimmes daran findet, sich gedanklich bei Pegida-Bachmann, Marine Le Pen und Donald Trump unterzuhaken, darf bei der Demo heute gerne hinter dem Plakat mit dem Chlorhühnchen herrennen. Alle anderen jedoch sollten sich fragen, wie sie aus einer solchen Gesellschaft schnell wieder herauskommen.“



Wertes Arschloch, das diesen Text geschrieben hat:
Als ich in München war, sah ich nicht einen einzigen rechten. Ich bin kein rechter. Und mich hat auch kein rechter nach München zitiert.

Diese billige Panikmache zieht nicht mehr, das könnt Ihr vergessen. Jedes Mal, wenn es darum geht, den Normalbürger von irgendwas abzuhalten, zieht ihr diese rechte Kelle. Damit er sich ja nicht traut, irgendwo seine demokratischen Grundrechte wahrzunehmen und aus Überzeugung für irgendwas auf die Strasse zu gehen. Das ist wohl grandios gescheitert, und falls nicht, dann wären es wohl noch mehr in Berlin gewesen.

Nein, hier geht es darum, dass hier die Demokratie unterwandert wird und um sehr reale und ernste Sorgen und Befürchtungen, wie unser Land durch einen solchen Vertrag schlechter wird. Und wenn Ihr verstehen würdet, was der Treibstoff für eine rechte Bewegung ist, dann ganz sicher der, dass es Menschen schlechter geht.
Was definitiv passieren wird. Dementsprechend wäre es vermutlich sogar sehr kontraproduktiv, wenn ein Rechter gegen TTIP ist. 

Und wie ignorant und unbedarft diese Panikmacher-Pfeife ist, die das geschrieben hat sieht man schon allein nur beim Gedanken daran, wie PRO TTIP ein Republikaner wie Donald Trump wohl sein mag.


Während wir uns gerade noch über die möglichen Probleme, die die grossen Zahlen an Flüchtlingen mit sich bringen (an deren Notwendigkeit zur Flucht wir wohlgemerkt gar nicht so unschuldig sind) noch die Hosen vollmachen - erleben wir hier ganz nebenher tatsächlich so etwas wie den Anfang vom Ende der repräsentativen Demokratie.


Denn wenn die Presse ihre Arbeit nicht macht und ignoriert, dass eine VIERTELMILLION Menschen GEGEN etwas ist, und alles, was Ihr könnt, ist die Berichte schmal zu halten oder gar - wie die FAZ (erwartungsgemäss) sich darüber lustig zu machen, dann ist habt Ihr Euren Job nicht verstanden. Ich wünsche Euch, dass sich das so langsam mal in der Auflage bemerkbar macht, anders seid Ihr ja offensichtlich nicht zur Vernunft zu bringen, das ist wohl der einzige Massstab, auf den Ihr reagiert...


Und falls es tatsächlich dazu kommen sollte, dass eine Viertelmillion Stimmen weiterhin stoisch ignoriert werden, dann solltet Ihr mal vorausdenken, wo das hinführt.

Die nächste Bundestagswahl ist nicht so weit, und die Alternativen sind begrenzt.
Vor allem, wenn CDU und SPD - wie schreibt Ihr oben so schön - "untergehakt" dem Land mehr schadet als nützt.


Das hier ist ein Skandal, und wer das nicht sieht oder desinteressiert wegschaut wird in wenigen Monaten und Jahren bereuen, dass er das tat.




Weiterführende Links:
Aktueller Pressebericht über die TTIP-Demo vom Wochenende
Deutsche Wirtschaftsnachrichten


Informationsfilme zu TTIP, eine kleine Auswahl 

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