Sonntag, 24. März 2019

Bauchweh bei Bio?

FaKKtencheck
Bauchweh bei Bio?

Welche Bioprodukte wurden mit Pflanzenschutzmittelrückständen gemessen?

An unserer GTEST-Studie haben einige teilgenommen, die ihre Lebensmittel überwiegend oder ganz in Bioqualität kaufen. Leider sind auch diese nicht durchweg frei von Glyphosat gewesen, auch wenn eines ganz deutlich ist: Die Glyphosat-Belastung bei diesen Menschen ist sehr, sehr viel niedriger.

Ich wollte mal ein bisschen näher hinsehen, von welchen Lebensmitteln das möglicherweise herrührt.






Ich habe dazu Kontakt zu unserem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aufgenommen und sie schickten mir ihre Statistiken zu gemessenen Pflanzenschutz-Rückständen zu. Es gibt immer ein wenig Zeitversatz bei diesen Veröffentlichungen, ich bekam daher an Datenmaterial von Messungen aus dem Jahr 2017.

Leider war die Tabelle der gemessenen Rückstände nicht explizit auf das Pflanzenschutzmittel Glyphosat begrenzt, das bedeutet, es können hier eine ganze Reihe an anderen Mitteln gemessen worden sein. Die Auswertung mag trotzdem ein klein wenig eine Hilfestellung sein. Das ist momentan das beste, was wir haben.


Warum werden überhaupt in BIO(!?) Rückstände gefunden?
Es gibt verschiedene Biosiegel. Einige sind sehr strikt bei der Anwendung von chemischen Hilfsmitteln, einige schliessen Glyphosat komplett aus und einige wie zum Beispiel das EU-Biosiegel oder das DE-Biosiegel sind durch Lobbyismus derart durch Ausnahmen verwässert, dass es eben diese Rückstände geben kann. Ausserdem gibt es verschiedene Untersuchungen die zeigen, dass ein Bio-Landwirt teilweise auch mit der Abdrift seines konventionell arbeitenden Nachbarn zu kämpfen hat, auch wenn diese Rückstände nicht annähernd so hoch sind, als wenn man die Produkte des Nachbarn selbst auf den Teller packt.



Meine Vorgehensweise
Ich habe für Euch 2 Tabellen aus den Daten des BVL erstellt.
Die eine listet alle Lebensmittel auf, die bei den Tests durch Überschreitungen von Grenzwerten aufgefallen sind, die andere Lebensmittel, die überhaupt Rückstände hatten, aber unter Grenzwert.


Anhaltspunkte für Euch ergeben sich aus den 3 Spalten:

ANZAHL
In der Spalte Anzahl könnt Ihr ablesen, wie oft das Lebensmittel getestet wurde. Das mag ein Zeichen sein, wie regelmässig man dieses Lebensmittel anschaut, wie auffällig die Lebensmittel in der Vergangenheit waren, oder wie häufig beim Produktionsprozess überhaupt Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. 


ÜBER GRENZWERT 
Diese Spalte zeigt, dass die für das gemessene Pflanzenschutzmittel festgelegte Obergrenze in der Messung überschritten war.

BEANSTANDET
Der Grenzwert war so viel höher, dass dieses Lebensmittel beanstandet wurde. Es ist möglich, dass das auch gleichbedeutend mit dem Umstand ist, dass das Lebensmittel dann -sofern möglich- aus dem Verkehr gezogen wird, das frage ich aber nochmal nach und update das zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle, sobald ich Antwort habe.


Was ich daraus schliesse:


TEE
Bei Tee wurden relativ wenig Proben ausgewertet im Verhältnis zu denen, die über Grenzwert gemessen worden sind. Ausserdem ist ja die Quote, die dann auch beanstandet wurden sehr ungünstig. 

Bedeutet für mich: Der Bioaufdruck auf den Teepäckchen ist mit Vorsicht zu geniessen. 
Und der Tee auch. Entweder findet hier eine Manipulation seitens der Teehersteller statt, die Bio ausweisen, das gar kein Bio ist oder es gibt wenig Achtsamkeit bei der Einhaltung der Protokolle, die ein vernünftiges Lebensmittel erzeugen sollen. 

Ich erinnere an eine Veröffentlichung, die ich neulich sah, die den Verdacht der Manipulation plausibel erscheinen lässt. Dem muss ich aber noch weiter nachgehen, bis ich da etwas Handfestes zu sagen kann. 

Ich persönlich würde also Tee in jedem Fall wann immer das möglich ist mit den Biolabel Bioland, Naturland und Demeter kaufen, einfach um wirklich sicher zu gehen.


EIER
Die Quote von den gemessenen Proben zu jenen über Grenzwert ist nicht allzu schlecht ausgefallen. Leider sind eben die, die dann auch aufgefallen sind auch sofort beanstandet worden. Das heisst, WENN man mal daneben liegt, dann gleich ordentlich. Wie kann man damit also sinnvoll umgehen?

Nach all meinen Recherchen kaufe ich Eier ohnehin nur noch in Bioqualität. 
Der Preisunterschied ist viel zu gering, als dass ich das Risiko eingehen möchte, Antibiotika frei Haus geliefert zu bekommen, vor allem, seit ich weiss, dass in der Hühnerzucht mittlerweile sogar Reserveantibiotika eingesetzt werden. 
Was für ein Wahnsinn! Bei den ohnehin immer schwerwiegender werdenden Probleme mit multiresistenten Keimen ist das so ziemlich das allerletzte, was man tun sollte.
Was aber nun, wenn ich ausgerechnet welche von den 5 erwische, die vielleicht zwar beanstandet werden aber noch nicht aus dem Verkehr gezogen waren? Ich bin immer noch der Überzeugung, dass wir viele Signale von unserem Körper bekommen, auf die wir einfach achten können. Und sollten.
Wenn wir regelmässig von den gleichen Lebensmitteln komische Symptome bemerken, dann sollte man einfach die Sorte bzw die Marke wechseln. Mit anderen Worten: Kommt mir beim Verzehr der Eier etwas komisch vor, egal jetzt visuell, beim Geruch, Geschmack oder im schlechtesten Fall tatsächlich bei der Verdauung, dann kaufe ich eine andere Biosorte.


ALLE ANDEREN AUF DER LISTE
Einige Lebensmittel wurden seltener getestet. Warum das so ist, frage ich noch nach. Ich möchte gerne erfahren, wie die Auswahl der Proben erfolgt. Reiche ich Euch nach. 


Wer ganz sicher gehen will - z.B. weil man tatsächlich Rückstände im Urin nachgewiesen hat, der sollte alle Lebensmittel dieser Liste entweder meiden, seltener verwenden oder - wie schon oben - zur Sicherheit auf die Biolabel Naturland, Demeter und Bioland ausweichen, wo das möglich ist.
LISTE 2
Diese Liste zeigt alle Lebensmittel, bei denen Rückstände gemessen worden sind, allerdings unterhalb der gültigen Grenzwerte. 



Ich selbst habe nach den letzten Jahren Recherche kein blindes Vertrauen in diese Obergrenzen. Die Methoden, wie diese ermittelt werden überzeugen mich nicht. 

Und - wie man z.B. bei Glyphosat sieht - es gibt Grenzwerte, die haben immer noch Bestand, obwohl eine wachsende Anzahl an Wissenschaftlern mit klaren Belegen in der Hand den Grenzwert begründet kritisieren, aber daraufhin einfach nichts geschieht. 
Kaum jemand von uns Verbrauchern hat den Hintergrund, die Zeit oder die Lust für jedes einzelne Mittel herauszufinden, ob ein Grenzwert vernünftig ist und plausibel in der Höhe gewählt, und ob er sicher genug ist. Das ist auch nicht unser Job. Dafür gibt es Leute, die den Auftrag haben. Allein - diesen Leute vertraue ich nicht (mehr).

Schaut Euch die Liste an, checkt ab, was Ihr davon häufig verwendet und entscheidet für Euch selbst, ob es nicht beim einen oder anderen Lebensmittel einen Wechsel zu den 3 o.g. Labeln sinnvoll erscheint. Da kann man ja im wahrsten Sinne des Wortes nach dem Bauchgefühl gehen. Oder anderen Anzeichen als Bauchweh. Ich zum Beispiel merke bei manchen Äpfeln am Pausentag, dass mir sofort die Nase zugeht. Jetzt könnte man vielleicht denken, dass ist eine Allergie, aber die müsste ja meiner Meinung nach dann bei allen Äpfeln auftreten. Und das ist nicht der Fall. Hört einfach auf Eure innere Stimme und entscheidet klug.


KURIOS:
Ich wusste das durch meine Recherchen schon länger, vielleicht ja einige von Euch nicht.
Und ich höre auch öfters von Glyphosat-Befürwortern, dass das generell abgestritten wird.

Aber: Schaut die Bioliste nochmal gesondert auf Fleisch und andere Tierprodukte durch.
Wie kommt Pflanzenschutzmittel in Muskelfleisch beim Rind? Wie in Milch?
Und wieso sollte DAS bitteschön ausgerechnet bei den konventionell erzeugten Produkten besser aussehen? Nur mal so als Gedankenanstoss.


FAZIT:
Achtsam wäre ich auf jeden Fall bei Tee (meiner, der gerade neben mir steht ist von Naturland aus dem dm) und Eiern, da muss man auf jeden Fall 2x hinschauen, was man verwendet, und wenn GTEST trotz Bio positiv ausgefallen ist, dann wären die beiden mein erster Ansatz, wonach ich schauen würde. Ansonsten sollte jeder für sich selbst die richtigen Schlüsse ziehen, vielleicht ja nach der Regelmässigkeit, mit der man die belasteten Lebensmittel zu sich nimmt.



SO VIELE RÜCKSTÄNDE, IST BIO SCHWINDEL?!

Beide Listen zeigen jetzt ausschliesslich Lebensmittel, die MIT Rückständen gemessen sind.


Die eigentliche Liste ist allerdings sehr viel länger, wenn man die OHNE Rückstände dazu nimmt. 


Genauer gesagt sind bei den Biolebensmitteln von 2.244 getesteten Lebensmitteln 1.734 ohne überhaupt einen Rückständen gemessen worden. Das ist eine solide Quote von 77,3%, das heisst fast 8 von 10 Lebensmitteln waren rückstandsfrei.

Und das wird vermutlich auch der Grund sein, warum selbst konsequente Bio-Käufer bei GTEST zwar teilweise doch Rückstände nachweisen, aber grundsätzlich bedeutsam niedrigere Werte haben als jene, die sich von konventionell erzeugten Produkten ernähren.




Bis später.




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