Freitag, 10. Januar 2014

KK und Schichtarbeit - Teil 2

Für sehr viele Fragen konnten wir im letzten Jahr ganz gute Antworten finden.
Und wie schon im vorhergehenden Bericht erwähnt, waren unter den Fragen auch sehr oft welche zum Thema Schichtarbeit. Einige konnte ich ja in dem vorherigen Bericht schon ein wenig beantworten. Aber ich bin unzufrieden. Unzufrieden, weil die Recherchen eigentlich ein paar beunruhigende Ergebnisse ergeben haben...


Es scheint nicht nur zu sein, dass sich die Menschen im Schichtdienst mit einer vernünftigen Ernährung schwer tun, möglicherweise ist sogar der Schichtdienst der Grund, warum sie überhaupt erst zu uns kommen...




Während der Recherchen habe ich unter anderem  betrachtet, welche Berufsgruppen eigentlich überhaupt Schichtarbeit leisten.

Zuerst dachte ich an die Menschen, die uns einen unschätzbaren (und meiner Meinung nach unterbezahlten) Dienst im Krankenhaus leisten. Oder bei der Polizei. Oder im Transportwesen.
Dann habe ich mit einigen gesprochen, die ich kannte, einigen aus unserer Gruppe geschrieben. Und mit ein paar aus dem Bekanntenkreis diskutiert.


Und auf einmal ist mir ein ziemlich klarer Trend bewusst worden. Auch wenn das noch nicht wirklich studiert wurde (oder nicht veröffentlicht) ergibt sich doch ein ziemlich klares Bild:

Wer über einen längeren Zeitraum im Schichtbetrieb arbeitet, scheint einem überdurchschnittlichen Risiko ausgesetzt zu sein, übergewichtig zu werden.

Anfangs habe ich mir noch ein Grinsen verkniffen, als ich die Schwestern im Krankenhaus angeschaut habe, die mit einer Schachtel Merci in ihrem Schwesternzimmer verschwunden sind und gedacht - AHA! Klar...

Aber das so abzutun war mir irgendwie zu einfach...
Denn es gibt viele andere Berufe, in denen das Schokolädchen zwischendurch mal von zufriedenen Kunden als kleines Dankeschön gereicht wird. Und in den Büros Deutschlands liegen in jeder zweiten Schublade ziemlich viele Süssriegel, genauso auf dem Pausetisch bei der Kaffeemaschine...

Je näher ich mir die Schichtler angeschaut habe, desto eher war zu erkennen, dass jüngere Schwestern oft dünner waren als die älteren. Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Polizei. Und bei anderen Schichtbetrieblern, die ich so kenne.

Nun hat sich das ja leider langsam schon eingebürgert, dass wir uns an das Bild gewöhnt haben, dass jemand um die 40 "halt ein bisschen mehr" hat, weshalb einige vermutlich versucht sind, das mit dem Alter damit abzutun.

In Zahlen heisst normal heute - das kann man nicht oft genug erwähnen - 60% der Männer und 53% der Frauen sind übergewichtig.

Aber ich würde meinen Hintern verwetten, dass die Zahlen bei denen, die schon länger im Schichtbetrieb arbeiten sehr, sehr viel höher sind als bei denen, die nicht schichten.
Zumindest bei denen, die ich dazu gesehen habe, war ich mindestens bei 80%, wenn nicht 90%.

Ich finde das sehr bedenklich. Ausser den Problemen, die aus dem Lichtmangel entstehen halte ich den Stress, den die Menschen entgegen dem natürlichen Biorhythmus aushalten müssen, als 2 der massgeblichen Hauptauslöser für dieses Phänomen:

Schicht macht dick!?
Es steht ausser Frage, dass dauerhaftes Übergewicht krank macht.
Deshalb spreche ich die These aus, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Schichtarbeit krank macht.

Es gibt Berufsgruppen, in denen ist eine Schichtarbeit durch nichts zu ersetzen.
Die Gauner sind auch nachts unterwegs, und ein Notfallbetrieb bzw die Versorgung der Patienten im Krankenhaus kann man kaum anders handhaben.

Aber es gibt auch Berufsgruppen, in denen es nur um rein wirtschaftliche Interessen geht - wie zum Beispiel den durchgehenden Betrieb von Maschinen. Wird hier nicht zu zynisch auf Kosten der Gesundheit der Arbeitnehmer Profit vorangetrieben?

Ich glaube jedenfalls fest daran, dass man das nicht allein durch Nachtzuschläge entschädigen kann. Ich finde da muss mehr geschehen. Und wenn es über eine Regelung läuft, die ausreichend Erholungsphasen garantiert - ähnlich der Versuche, die offensichtlich noch nicht astrein funktionieren bei den LKW- oder Busfahrern.

Allgemein sollte die Kraftzelle Mensch in den Betrieben wieder mehr in einen sozialen, gesünderen Kontext gesetzt werden, die Burnouts und drastisch ansteigenden psychischen Erkrankungen sprechen doch eine zu klare Sprache. 


Und was die Firmen bei alledem immer vergessen: Ja, eine Arbeitskraft ist austauschbar - aber das Knowhow, das sie in den Krankenstand mitnimmt ist es nicht. Und vermutlich sehr viel teurer einzukaufen, als der rücksichtslose Umgang mit dieser Ressource einbringt.


Ich möchte daher zum Abschluss zu diesen beiden Berichten wie folgt zusammenfassen:

- Schichtdienst scheint dick zu machen. Überdurchschnittlich oft.

- Wer Schichtbetrieb macht, kann nach meinem momentanen Kenntnisstand die Folgen mit KK ein wenig eindämmen und abmildern, wird aber immer mehr zu kämpfen haben als andere


- Abnehmen wird vermutlich langsamer und mühsamer vonstatten gehen als bei den Tagesdienst-Kollegen, weil es ein stetiges Ankämpfen gegen die Folgen des unguten Rhythmus ist.

- Man sollte sich gut überlegen, wie lange man das durchhalten will, vor allem wenn es nur um die "paar Euros" mehr geht und sonst keine Gründe zwingend dafür sprechen.
Denn diese paar Euros erkauft man sich mit der eigenen Gesundheit doch sehr teuer ein.

- Ich würde mir wünschen, dass es hierzu bald einmal eine unabhängige, grössere Studie gibt, in dem der Zusammenhang "Übergewicht im Verhältnis zur Dauer der Schichtbelastung" einmal angeschaut wird und in deren Folge dann Massnahmen ergriffen werden, die die Betroffenen entlasten. Gerne darf da auch ein Teil des Profites verwendet werden, der durch diese Menschen erwirtschaftet wird.




Bis später.

Kommentare:

Sandra Schöngen hat gesagt…

Nico, Du bringst mich auf eine Idee für meine Diplomarbeit ;) Danke!

Pöbelie hat gesagt…

Sandra, sowas ähnliches dachte ich auch grad ;)
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