Samstag, 22. Juni 2013

Für Euch gelesen: Stern Nr.26 - Die Zuckermafia


Dank eines Tipps aus der Gruppe wurde ich auf die aktuelle Ausgabe des Stern aufmerksam.

Der macht nämlich gerade mit einem Thema auf, das anscheinend immer mehr ins Licht der Öffentlichkeit rückt und uns ja kein Fremdwort mehr ist: Zucker.


Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich den Titelbericht beurteilen soll.
Auf der einen Seite ist es verstörend zu lesen, wie selbstverständlich die Industrie "ihren" Zucker mit Lobbyismus verteidigt, das fand ich mutig. Dann sind da Zahlen, die einen mit etwas Hintergrund ziemlich beunruhigen. Von denen es gut ist, sie mal gelesen zu haben. Denn es ist irgendwie beruhigend zu wissen, dass man mit dem Problem des Übergewichts nicht alleine da steht und noch wichtiger zu verstehen, woher es kommt.



Für Euch gelesen, der aktuelle Stern
Trotzdem, irgendetwas hat mir gefehlt. Der Bericht war vielleicht ein wenig zu distanziert. 
Zu wenig aufrüttelnd. Und ein paar Fragen kamen bei der Lektüre erst auf - blieben aber unbeantwortet. Wichtige Fragen.

Da steht zum Beispiel zu der Ampelkennzeichnung auf den Produkten nüchtern zu lesen:
"Eine Millarde Euro kostete es, die Ampel abzuwehren."
Aha. Wenn etwas etwas kostet, dann ist da auf der einen Seite jemand, der das bezahlt, und auf der anderen Seite jemand, der es empfängt, richtig? Und wer ist das? Wer ist da auf der Empfängerseite?
Bei so einer grossen Summe eine gute Frage, dafür müssen viele Gummibärchen verkauft werden, bis das drin ist.


Abgesehen davon glaube ich auch nicht an die Wirkung der Ampel. 

Und auch dort wird dann wieder getrickst, da bin ich sicher. Bei Artikeln, die viel Zucker enthalten habe ich schon oft festgestellt, dass auf die Nährwerttabelle die Werte für einen Bruchteil des Inhalts angegeben werden. Dabei - seien wir ehrlich - wenn der Kirschjoghurt offen ist, ist er weg. Komplett. Mit den 24 Stückchen Würfelzucker drin.

Hier muss der Hebel wesentlich früher angesetzt werden.
Weiterbildung der Ärzte zum Beispiel. Die erzählen ihren Patienten immer noch, sie sollten weniger Eier essen. Und wenn ein Kind Übergewicht hat, dann erzählt man den Eltern, es solle sich halt mehr bewegen und weniger essen.

Und in den Schulen muss etwas passieren. Biounterricht, Kochen, Chemie, es gibt genug Foren zu erklären, was für unsere Gesundheit schlecht ist und zu vermeiden ist.
Ja, ich weiss. Als Kind hört man das nicht. Aber hey, wenn man die Dinge schon einmal gehört hat, dann kann man sie anwenden, wenn man erwachsen genug ist. Oder der Leidensdruck hoch genug.

Interessant ist auch der Vergleich mit der Tabakindustrie. Einst unangreifbar haben die heute ganz schön Federn gelassen. Erst heute wurde berichtet, dass jetzt wohl auch EU-weit auf die Packungen hässliche Bilder in 65%-Grösse gedruckt werden sollen. Ich kenne das schon aus der Schweiz und kann sagen: Es hilft null.
Der lange Kampf der Tabakindustrie wird in dem Bericht verglichen mit dem, wie jetzt für den Zucker gekämpft wird. Naja, 12 Milliarden Euro Umsatz (allein Deutschland 2012 Süsswaren und Knabbersachen) wollen beschützt werden. Kann ich schon verstehen.

Aber wenn man zynische Manager, die haargenau wissen, dass ihr Produkt krank macht immer weiter agieren lässt, dann ist das falsch. Mehrwertsteuer rauf für Süsskram. Toller Vorschlag. Zahlt der Kunde. Wenn man etwas dagegen unternehmen will, dann muss man das Geschäft uninteressanter machen. Die höhere Mehrwertsteuer zahlen die Konsumenten. Und die werden das auch weiter tun. 100%ig. Wie bei Zigaretten, die irgendwann in meinem Leben mal noch mit 3 silbernen Mark verkauft wurden und heute 14 kosten. Geraucht wird trotzdem. Und Sucht ist beides. Für eine Sucht zahlt man jeden Preis, solange man Junkie ist.

Ich empfehle Euch den Kauf dieser Sternausgabe, falls Ihr noch eine Ausgabe ergattert, holt sie Euch.

Da sind wirklich interessante Dinge drin. So sehr ins Detail will ich gar nicht gehen, aber ein paar Dinge fand ich so bemerkenswert, dass sie hier Erwähnung finden sollen:


Von den 31,8 kg Zucker, die wir im Jahr pro Kopf in Deutschland zu uns nehmen sind tatsächlich nur 16,4% reiner Haushaltszucker (das ist das Weisse, das Ihr in Euren Milchkaffee geschüttet habt - Anm. für die, die das hoffentlich gottseidank schon vergessen haben) - ich glaube, die meisten sehen vor allem diesen Zuckeranteil, weil er sehr visuell ist.
Der andere Anteil steckt in verdeckt in Süsswaren, Getränken und "Sonstigem".
Hey, das sind über 80%, den wir nicht wirklich bewusst zu uns nehmen! 80%!!
Der in so schnuckeligen Sachen steckt wie Pizza. Ja, in Pizza kann auch Zucker stecken, im angesprochenen Beispiel sind es 7 Stück Würfelzucker. In Pizza.

Und falls Ihr mal wieder so richtig Lust auf Zucker habt, dann habe ich einen neuen Rekordhalter auf meiner Liste, der Nutella (Zucker: 56%) mal eben vom Thron gestossen hat:
Erdbeerkonfitüre von Schwartau Extra. Die hat 59%. Bitte Esslöffeln...

Freiheit. Die Zuckerindustrie hat Angst vor Verboten. Spricht von Selbstverpflichtungen. Und Eigenverantwortung der Bürger... Man könne doch den Bürgern nicht die Freiheit nehmen zu entscheiden, was sie essen und trinken.

Der zynischste Satz im ganzen Bericht von den Zuckeros:
"Zucker kann durchaus Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein."
Wackersteine auch. Sind Mineralien drin, deshalb hat man die dem Wolf bei Rotkäppchen... Leute... Streicht das ausgewogen.

Werte Entscheider: Eigenverantwortung allein funktioniert hier nicht. Sonst wäre nicht jedes fünfte Kind in Deutschland stark übergewichtig.

Denn ich unterstelle den Eltern, dass sie ihre Kinder lieben und es sie nicht absichtlich unglücklich und krank für die Zukunft machen.

Nein! Sie wissen es nur nicht besser. Und wenn Obst gut ist, dann ist es Erdbeermarmelade auch. Hier ist der Ansatz: Information!

Gerne auch eine Milliarde Euro teuer. Das wird billiger als die Belastungen, die auf das Gesundheitssystem zukommen in den nächsten Jahren, wenn sich nichts tut.





Bis später.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Naja, ich finde an dem Satz mit der Entscheidungsfreiheit ist schon was dran! Nur macht es immer noch einen Unterschied, auf welcher Basis man eine Entscheidung trifft.
Vielleicht kann man das Ganze mit der Altersbeschränkung der politischen Wahlen vergleichen-hier geht's ja immerhin auch darum, nur mündige Bürger wichtiges entscheiden zu lassen. Aber es gibt eben ein paar Vorraussetzungen, um ein mündiger Bürger zu sein: Transparenz, Sachkenntnis, Übersichtlichkeit, Information usw. Und das ist ja offensichtlich nicht der Fall bei Kaufentscheidungen, vor allem wenn es um Nahrungsmittel geht.

Ein anderer Punkt ist meiner Meinung auch, dass nur den wenigsten Menschen bewusst ist, dass sie alleine die Verantwortung über ihren Körper und ihren Geist besitzen. Genauso wie Schulen ja heute auch viele Aufklärungsprogramme über Drogen im Programm haben, um Schülern beizubringen, verantwortlich mit ihrem Körper umzugehen, sollte es auch mit Ernährung zum Beispiel gehandhabt werden. Vielleicht gäbe es dann mehr Menschen, die ihren Körper besser verstehen und sich so auch besser um ihn kümmern können.

Deswegen stimme ich dir zu, mehr aufklärende Programme von Seiten des Staats wären schon gut;) Aber darüber hinaus muss noch viel mehr geschehen! Es kann doch nicht sein, dass man bei jedem Supermarktbesuch getäuscht wird!!!

Svenja hat gesagt…

Das mit den Zucker in den Produkten hat auch was mit Angebot und Nachfrage zu tun. Wenn keiner zuckerhaltige Produkte kaufen will, dann würde man die auch nicht produzieren. Essen hat mittlerweile bei fast jedem nichts mehr mit "Zweck zum Überleben", sondern vor allem mit Genuss zu tun. Und das natürlich auch, weil es viele Genussmittel gibt.
Aber das ist nicht der Fehler von der Industrie, sondern von den Verbrauchern!

Jeder Mensch ist selbst dafür verantwortlich, was er zu sich nimmt. Und wenn man hier in Deutschland in den Supermarkt geht, dann kann man selbst frei entscheiden, welche Produkte man kauft. Und wenn man sich dann die Nutella in den Einkaufswage packt, dann weiß man, dass man sich nun nicht das gesündeste Lebensmittel ausgesucht hat.

Und es hat auch nichts mit Verbrauchertäuschung zu tun, dass man Zucker in Pizza tut. Wenn man sich die Verpackung anguckt, dann wird man dies auch auf der Verpackung auch sehen (Zutatenliste).

Wichtig ist es, dass die Verbraucher wissen, was ihnen gut tut und was nicht. Und jeder, der KK macht, der freut sich auf die zuckerhaltigen Produkte am Loadday. Wenn man rational denkt, dann kann sich jeder auch sagen "Nein, ich kaufe für heute kein Croissant, sondern mach mir einen Obstsalat zum Frühstück". Machen wir aber nicht. Weil wir selbst Zucker lieben. Und weil uns die Industire es einfach macht, zuckerhaltige und leckere Produkte zu kaufen. Aber wir müssen es nicht, das ist wichtig! Denn die Industrie produziert genauso Produkte ohne Zucker...


Nachfrage, Angebot...Denkt mal drüber nach...

Edwin Stuiver hat gesagt…

Ich fand den Beitrag an sich gut, jedoch recht oberflächlich und ohne richtigen Wachrüttel- und/oder Shockeffekte.

Meiner Meinung nach hat das Ganze nichts mehr mit Angebot und Nachfrage zu tun, die freie Wahl gibt es kaum. Vor einiger Zeit habe ich Zucker entfreundet. Da ich schon seit einiger Zeit sehr bewusst mit meiner Ernährung umgehe, dachte ich, dass ich schon wenig Zucker benutzen würde. Wir kochen sehr frisch, kaum Tüttchen und wenig Zucker. Mir war klar, dass in süsse Lebensmittel auch Zucker drin ist. Ich habe aber festgestellt, dass in fast alle Lebensmittel Zucker ist: Schwarzwälder Schinken, Rauchspeck, Brot, Fleisch, Wurst (99%), Getränke etc.

Ich backe Brot jetzt selber, kaufe kaum Schinken und vermeide sämtliche Fertig- oder Halbfertigprodukte. Back to Basics also. Es klappt auch, kostet aber Zeit u d Mühe

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